So genießen Diabetiker die süße Osterzeit - Vom: 06.04.2017

So genießen Diabetiker die süße Osterzeit

Ob Schokohase, Marzipanei oder Praline: Auch Menschen mit Diabetes dürfen sich süße Osterfreuden gönnen, sollten Zuckerkonsum und Kalorien jedoch im Auge behalten.

Gut neun Kilogramm – so hoch ist nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrieder jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Schokolade in Deutschland. Reichlich genascht wird traditionell an Ostern. Zum Glück müssen auch Diabetiker nicht mehr gänzlich auf Nougat, Marzipan und Co. verzichten, denn strikte Zuckerverbote und strenge Ernährungsvorschriften gelten mittlerweile als überholt. „Zucker ist für Diabetiker erlaubt, allerdings sollten sie die Kohlenhydrate im Blick behalten“, sagt Thomas Ebel, Arzt beim AOK-Bundesverband.

Nicht mehr als 30 bis 50 Gramm Zucker am Tag, so lautet die Empfehlung von Diabetes-Experten. Denn Haushaltszucker gehört zu den schnellen Kohlenhydraten, die sofort ins Blut schwemmen und damit den Blutzucker in die Höhe schießen lassen. In einem 100 Gramm schweren Schokohasen stecken schon rund 50 Gramm Zucker. Diabetiker sollten ihn daher auf keinen Fall komplett vertilgen, sondern die süße Versuchung über mehrere Tage verteilt genießen.

Zucker im Blick

Patienten, die sowohl kurz als auch lang wirksames Insulin spritzen (intensivierte Therapie), können ihre Insulindosis gut an „kleine Sünden“ anpassen, indem sie zu den Mahlzeiten die Dosis erhöhen. Bei Kindern, die eine Insulinpumpe tragen, sollte die Pumpe entsprechend eingestellt werden. Dafür muss der Kohlenhydratgehalt der Osterleckereien genau berechnet werden.

Berechnet wurde lange Zeit in Broteinheiten (BE), mittlerweile haben sich jedoch Kohlenhydrateinheiten (KE) durchgesetzt. Zur Erinnerung: Eine BE entspricht etwa zehn bis zwölf Gramm Kohlenhydraten, eine KE etwa zehn Gramm Kohlenhydraten. Für einen 20 Gramm leichten Mini-Osterhasen aus Milchschokolade müssen bereits eine BE oder 1,2 KE angesetzt werden. Nicht ganz so flexibel beim Essen sind Diabetiker, die mit einer konventionellen Insulintherapie oder mit Tabletten behandelt werden.

Bitter ist besser

Eine gute Alternative zur klassischen Milchschokolade ist Bitterschokolade, die mehr Kakao, aber weniger Zucker enthält. „Diabetiker, die übergewichtig sind, sollten jedoch bedenken, dass Schokolade immer ein kalorienreiches Vergnügen ist, egal um welche Sorte es sich handelt“, so Thomas Ebel. Tipp: Beim Kaloriensparen kann mit Stevia gesüßte Schokolade helfen. Die in Südamerika heimische Pflanze ist bis zu 300-mal süßer als Zucker und bei uns seit einigen Jahren als Süßstoff zugelassen.

Spezielle Diabetiker-Schokolade gilt inzwischen als überflüssig. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und andere Fachgesellschaften verweisen darauf, dass die oft teuren Lebensmittel mit der Aufschrift „Für Diabetiker geeignet“ hohe Anteile ungünstiger Fette enthalten und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht für eine diabetesgerechte Ernährung zu empfehlen sind. „Deshalb hat die Europäische Union beschlossen, dass solche Produkte mittlerweile nicht mehr in der Form bezeichnet und beworben werden dürfen“, betont Ebel.

Bewusst genießen

Diabetiker, die gerne naschen, sind also besser beraten, wenn sie sich an Ostern gleich ein Stück vom „echten“ Schokohasen gönnen. Besonders intensiv und lang anhaltend ist das Genusserlebnis übrigens, wenn man die Süßigkeit bewusst im Mund zergehen lässt. Und gegen die unbändige Lust, Meister Lampe gleich noch das zweite Ohr abzubeißen, hilft es, die Schokolade konsequent aus dem Blickfeld zu verbannen. Um Heißhunger auf Süßes zu vertreiben, hat sich auch ein anderer, sogar von Osterhasen geschätzter Trick bewährt: einfach eine Möhre knabbern!

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