Mit Diabetes allein zu Haus - Vom: 02.09.2016

Mit Diabetes allein zu Haus

Diabetiker, die alleine leben, haben niemanden an der Seite, der bei Entgleisung des Stoffwechsels zur Stelle ist. Unsere Tipps verhelfen zuckerkranken Singles zu mehr Sicherheit im Alltag.

Über 13 Millionen Menschen in Deutschland leben in Einpersonenhaushalten, unter ihnen viele mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Wenn Singles von ihrer Stoffwechselstörung erzählen, sind Angehörige und Freunde oft äußerst besorgt. Vor allem die Vorstellung, der oder die Alleinlebende könne eine Unterzuckerung erleiden, dadurch bewusstlos werden und keine zeitnahe Hilfe bekommen, macht verständlicherweise Angst. Und auch betroffenen Diabetikern selbst, die Insulin spritzen oder den Blutzucker senkende Medikamente einnehmen müssen, wird beim Gedanken an eine mögliche Unterzuckerung mitten in der Nacht mitunter mulmig zumute. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Können und sollten Diabetiker überhaupt alleine leben?

Vorsicht, Unterzuckerung!

„Menschen mit Diabetes können ihren Lebensalltag sehr gut alleine bewältigen, sofern ihr Stoffwechsel gut eingestellt ist und sie auf eine Unterzuckerung vorbereitet sind“, sagt Professor Thomas Haak, Vorstandsmitglied von „diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe“ und Chefarzt des Diabetes Zentrums Mergentheim.

Wichtig für ein sorgenfreies Dasein mit Diabetes ist beispielsweise, dass Alleinlebende die Anzeichen einer Unterzuckerung rechtzeitig erkennen. „Unterzuckerungen äußern sich sehr individuell“, weiß Professor Haak. Schwindelgefühle, Zittern, Schweißausbrüche, Hungerattacken oder auch Nervosität sind mögliche Anzeichen. „Manche Betroffene nehmen generell nur schwache Symptome wahr. Bei anderen wiederum können bestimmte Medikamente Anzeichen abschwächen oder komplett unterdrücken“, so der Mediziner. Deshalb sollten Patienten, die neben Diabetes noch weitere Erkrankungen haben und deshalb Medikamente einnehmen müssen, ihren Arzt fragen, inwiefern diese Präparate ihren Stoffwechsel beeinflussen.

Mehr Sicherheit im Alltag

Was Alleinlebende mit Diabetes zur eigenen Sicherheit unbedingt tun sollten, haben die Experten von diabetesDE in einer Checkliste zusammengefasst. Betroffene können die vollständige Liste im Internet herunterladen (www.diabetesde.org). Hier wichtige Tipps in Kürze:

Notfallration bereitlegen:

Bewahren Sie schnell wirksame Zuckerquellen wie Glukose-Tabletten, -Gele oder kleine Saftpäckchen für den Notfall immer in Reichweite an festen Plätzen auf, zum Beispiel auf dem Nachttisch.

Rufnummern griffbereit haben:

Eine Liste mit allen Notfallrufnummern sollte neben dem Telefon liegen oder an einem zentralen Ort platziert sein. Außerdem wichtig, dass die Diabetes-Angaben im Notfall rasch verfügbar sind – zum Beispiel in einer App auf dem Smartphone.

Regelmäßig messen:

Den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren hilft, Schwankungen besser wahrzunehmen und einzuschätzen. Das ist besonders dann von Bedeutung, wenn sich im Alltag etwas verändert, zum Beispiel durch eine neue Sportart oder mehr Stress im Beruf.

Vorausschauend planen:

Aktivitäten wie Ausflüge, lange Spaziergänge oder Renovierungsarbeiten sollten Diabetiker vorausschauend planen, da sie den Blutzuckerspiegel beeinflussen.

Kontakte pflegen:

Familie, Freunde, Nachbarn – für Alleinlebende ist ein gutes soziales Kontaktnetz wichtig. Sinnvoll für Diabetiker: eine Vertrauensperson auswählen, die sich möglichst täglich meldet.

Den Blutzuckerzielbereich kennen und anpassen:

Jeder Diabetikersollte seinen optimalen Blutzuckerzielbereich kennen und diesen gegebenenfalls in Absprache mit dem behandelnden Arzt anpassen. Gerät der Patient häufiger in Unterzucker, kann es erforderlich sein, den Zielbereich höher anzusetzen oder die Medikation zu verändern.

Hilfe im Alltag:

Wer sich alleine unwohl fühlt oder im Alltag Unterstützung braucht, sollte mit seinem Arzt oder Diabetesberater sprechen. Für chronisch Kranke gibt es viele Hilfsangebote, von der Haushaltshilfe bis zum Hausnotruf.

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