Mit Diabetes um die Welt

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Wollen Sie vielleicht einmal nach Harar, O‘ahu, Tbilisi oder Tétouan reisen? Kein Problem: Auch solche exotischen Urlaubsziele können Diabetiker heute besuchen. Die Voraussetzung ist eine gute Vorbereitung.

Abenteuerurlaub wird immer populärer. Exotische Ziele stehen heute auch bei vielen Diabetikern auf der Reise-Wunschliste: Ob Camping im Seoraksan-Nationalpark in Südkorea, Wandern auf dem 600 Kilometer langen Jordan Trail in Jordanien oder ein Roadtrip zu den besten Surfspots auf Hawaii – Diabetes muss dabei kein Hindernis darstellen, meint Dr. Thorsten Siegmund: „Natürlich sollte ich mich im Vorfeld immer fragen: Welcher Urlaub passt zu mir“, betont der Münchner Diabetologe. „Oft reicht es schon, die eigene Persönlichkeit und die eigenen Kräfte gut einschätzen zu können, um das Handicap Diabetes zu minimieren.“

Wer angesichts der vielen neuen Eindrücke im Urlaub zur Vergesslichkeit neigt, dem kann zum Beispiel eine spezielle Diabetes-App dabei helfen, zur richtigen Zeit den Blutzucker zu messen oder an die Einnahme von Medikamenten zu denken. Besondere Funktionen in einer solchen App können außerdem zum Beispiel erkennen, ob sich auf der Reise die täglichen Gewohnheiten ändern – und den Nutzer bei kritischen Werten warnen. „Beim ‚Urlaub on the road‘ ist außerdem ein großer Vorrat an Medikamenten und gegebenenfalls Insulin Pflicht – am besten aufgeteilt auf mehrere Gepäckstücke, falls eines verloren gehen sollte“, erklärt Dr. Siegmund. „Das Insulin aber niemals im aufgeheizten Auto lagern – fürs Zelt oder den Roadtrip gibt es in der Apotheke kleine Kühlboxen oder -taschen.“

Insulin: Frost ist gefährlicher als Hitze

Wer in das subtropische Klima Madagaskars oder Marokkos reisen will, müsse sich wegen der Hitze aber sonst keine großen Sorgen machen: „Insulin ist stabiler als häufig vermutet“, sagt Dr. Siegmund, „kurzfristige Temperaturen bis 40 Grad sind meist kein Problem. Nur gefrieren sollte es nicht. Wer also nach Kanada ins arktische Labrador reist, sollte sein Insulin nah am Körper tragen.“ Bei Fernreisen sollten sich insulinpflichtige Diabetiker bei der jeweiligen Fluggesellschaft erkundigen, wie das Insulin transportiert werden kann, welches Equipment an Bord mitgeführt wird und welche weiteren Services die Airline für Menschen mit Diabetes anbietet.

In exotischen Regionen wie Mexiko oder Kambodscha ist die landestypische Küche häufig eine eigene Attraktion. Von scharfen, fettigen und kohlenhydratreichen Gerichten wird Menschen mit Diabetes üblicherweise abgeraten. Der Experte Thorsten Siegmund sieht das gelassen: „Im Urlaub gilt die Faustregel ‚Learning by doing‘. Natürlich lassen sich Mahlzeiten, die man nicht selbst zubereitet, schwieriger einschätzen. Menschen mit Diabetes können den Urlaub trotzdem kulinarisch genießen, wenn sie häufiger ihren Blutzucker kontrollieren und einfach ausprobieren, was sie gut vertragen.“

Bessere Blutzuckerwerte mit Diabetes-App

Dabei ist es natürlich wichtig, dass die gemessenen Werte hundertprozentig stimmen. Ein Besuch in der Apotheke gibt Sicherheit: Hier können Diabetiker sich vor der Reise noch einmal zur richtigen Messung beraten und ihr Blutzuckermesssystem überprüfen lassen. Kombiniert mit einer passenden App, kann ein modernes Messgerät die erfassten Werte direkt auf das Handy übertragen. Die Messdaten lassen sich dann außerdem um Angaben zu den aufgenommenen Kohlenhydraten oder Fotos der jeweiligen Mahlzeit ergänzen. So kann eine entsprechende Diabetes-App Zusammenhänge erkennen, den Anwender darüber informieren und sogar Maßnahmen zur Verbesserung des Blutzuckerverlaufs vorschlagen.

Voll im Trend liegen neben exotischen Fernreisen die kurzen Städtetrips. Aber auch Cityreisen sollten Diabetiker nicht unterschätzen: Eine ganze Stadt zu Fuß zu erkunden, kann körperlich sehr anstrengend sein. „Neben ausreichend Flüssigkeit und Kohlenhydraten sind bequeme, bereits eingelaufene Schuhe ein Muss. Abends im Hotel sollten dann unbedingt die Füße auf Blasen oder kleine Verletzungen kontrolliert werden“, rät Dr. Siegmund. „Wie vor sportlichen Aktivitäten auch empfiehlt es sich außerdem, die Tour mit einem leicht erhöhten Blutzuckerspiegel zu starten und unterwegs häufiger zu messen.“

Quelle: www.ratgebergesund.de

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