Die beste Hilfe bei Mundtrockenheit

Allgemein HNO-Arzt
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Trockenheit in der Mundhöhle kann harmlos sein. Wenn sie hartnäckig andauert oder sehr häufig auftaucht und immun gegen Selbstbehandlung ist, sollte ein Arzt die Ursache diagnostizieren.

Werde ich den Zug noch erwischen? Gefällt dem Ehemann meine neue Frisur? Wieso finde ich den Schlüssel nicht? Aufregende Situationen machen nervös, da fühlt sich der Mund schnell trocken an. Auch wer bei einer verstopften Nase durch den Mund atmet oder viel redet, spürt das Austrocknen von Mund und Rachen. Ein Schluck Wasser oder ein Lutschbonbon wirken sofort dagegen. Anders ist es bei vielen älteren Menschen, die immer wieder oder andauernd an Mundtrockenheit leiden. Jeder dritte Mensch über 60 und jeder zweite über 80 Jahre hat einen zu geringen Speichelfluss – Xerostomie nennen Mediziner diese ungewöhnlich starke Mundtrockenheit.

Normalerweise produziert der Mensch fast 1,5 Liter Speichel am Tag. Sechs Speicheldrüsen in der Mundhöhle – zwei unter der Zunge, zwei am Unterkiefer, zwei unterhalb der Ohren – übernehmen die Haupt-Produktion, weitere mikroskopisch kleine Drüsen, verteilt über die gesamte Mundschleimhaut, unterstützen den Speichelfluss. Zwar besteht die Flüssigkeit zu über 99 Prozent aus Wasser, aber 0,5 Prozent der Bestandteile sind Stoffe, die vor Bakterien, Pilzen und Viren schützen und den Zahnschmelz härten.

Den Ursachen auf den Grund gehen

Bleibt der kontinuierliche Speichelfluss aus, sind die Folgen unangenehm und können sogar Erkrankungen hervorrufen: Der Atem riecht übel, Prothesen haften schlechter, Zunge und Lippen brennen, die Stimme kann heiser werden, die Trockenheit Reizhusten auslösen. Da Speichel den Mund-Rachen-Raum putzt, kann sich Karies entwickeln, die Mundschleimhaut entzünden, und Wunden im Mund heilen langsamer. Mit wenig Speichel spricht es sich schlechter, der Geschmack wird getrübt und es treten Schluckbeschwerden auf, wenn die Nahrung nicht durch genügend Spucke aufgeweicht und vorverdaut wird, ehe sie an Magen und Darm weitergereicht wird.

Das Problem kann ganz unterschiedliche Ursachen haben: Starkes Schwitzen bei Fieber oder während der Menopause, Schlafen mit offenem Mund und Schnarchen, auch Nikotin, Kaffee und Alkohol machen den Mund trocken. Zu wenig Speichel kann außerdem u.a. eine Begleiterscheinung von Diabetes, entzündlichem Rheuma oder dem Sjögren-Syndrom sein: das ist eine Entzündungserkrankung der Tränen- und Speicheldrüsen.

Auch als Nebenwirkung von Chemo- oder Strahlentherapien bei Tumorbehandlung tritt ein reduzierter Speichelfluss auf, der sich in den Monaten nach dem Behandlungsende wieder normalisiert. Weiter fördern Stress und Depressionen, Hormonstörungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente das Austrocknen des Mundraumes. Dazu gehören Beruhigungs- und Schlaftabletten, Antidepressiva und Arzneien gegen Allergien, Blutdruck-senkende und entwässernde Mittel, Parkinsontabletten und Medikamente gegen Dranginkontinenz. Gerade ältere Menschen nehmen häufig mehrere Medikamente. Sie sollten ihren Arzt und Apotheker auf das Problem ansprechen: Vielleicht gibt es Alternativen, die den Mund weniger austrocknen.

Den Speichelfluss anregen

Manchmal hilft es bei Mundtrockenheit auch schon, einige Lebensgewohnheiten zu ändern. Genug zu trinken ist der wichtigste Rat. Gut ist Wasser, am besten verteilt über den Tag und immer wieder ein paar Schlucke statt eines großen Glases als Depot für Stunden. Auch ungesüßte Kräuter- und Früchtetees lindern. Nachts sollte man sich ruhig ein Glas griffbereit neben das Bett stellen und zudem nicht zu flach im Bett liegen. Auch im Winter sollte die Heizung nicht zu hoch gedreht werden, die Luftfeuchtigkeit sollte stimmen. Beim Kochen gilt: Nicht scharf würzen, auf Chili, Peperoni und Pfeffer verzichten und am besten weder zu süß noch zu sauer essen – und gründlich kauen. Gemüsesnacks wie Möhren oder Sellerie halten die Kauwerkszeuge und die Speicheldrüsen ebenso auf Trab wie Kaugummi – natürlich zuckerfrei.

Zuckerhaltige süße und saure Bonbons dagegen sind ungeeignet. Auch Limonaden und gezuckerte Säfte sind nicht empfehlenswert, denn der Zucker greift die durch Mundtrockenheit ohnehin schlecht geschützten Zähne an. Zu den wirksamen Hausmitteln zählen ein Löffel Öl zum Ausspülen oder das Lutschen kleiner Eiswürfel – allerdings nicht bei Diabetes und einer Bestrahlungstherapie im Mundraum, die die Nerven beschädigt hat. Wichtig ist eine gute Mundhygiene, die die angegriffene Schleimhaut schützt und der regelmäßige Kontrollblick des Zahnarztes.

Hält die Mundtrockenheit an, sollten Sie Ihrem Hausarzt das Problem schildern. Er kann den Speichelfluss messen, sich ein Gesamtbild verschaffen und Speichelersatzprodukte empfehlen. Sprays, Gele, Mundspülungen, Lutschtabletten – diese Mittel gibt es auch rezeptfrei in Ihrer Apotheke.

Bildnachweis: ©Vasiliy Koval – stock.adobe.com

Quelle: www.ratgebergesund.de