Hilfe für die Verdauung – Ruhe im Reizdarm

Internist
mailenmailen druckendruckenvorlesen vorlesen

Das Reizdarm-Syndrom hat viele Gesichter. Was hilft wem am besten? Die Natur kennt zahlreiche Mittel und Wege.

Ständig Probleme mit der Verdauung? Das Reizdarm-Syndrom zählt zu den häufigsten Beschwerdebildern des Verdauungssystems. 16 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland plagen sich mit wiederkehrenden Verstopfungen, Durchfällen, Krämpfen und Blähungen, ohne dass ein organischer Befund vorliegt. Colon irritabile, so die Bezeichnung in Fachkreisen, ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose. In der Regel führt der Arzt viele Tests durch, ehe der Verdacht bestätigt ist. Beim Reizdarm handelt es sich um eine funktionelle Störung, die zwar ungefährlich ist, aber die Lebensqualität massiv beeinträchtigen kann. Typischerweise sind mehr Frauen als Männer betroffen, meist ab dem Alter zwischen 20 und 40 Jahren.

Stress im Bauchhirn

Auch wenn die Ursachen für das Reizdarm-Syndrom nicht zu 100 Prozent geklärt sind, scheint Stress eine bedeutende Rolle zu spielen. Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem, das mit dem Gehirn im permanenten Informationsaustausch steht. Dies mag ein Grund sein, warum sich Reizdarm-Symptome in hektischen Zeiten verstärken können. Man spricht auch vom „Bauchhirn“, das rebelliert, wenn äußere oder innere Umstände die Seele belasten. Ungünstige Essgewohnheiten können die Beschwerden verschlimmern, gelten aber nicht als Auslöser. Ein Stress- und Ernährungstagebuch zu führen, kann helfen, Faktoren zu entschlüsseln, die Einflüsse auf das Wohlbefinden haben.

Mehr Lebensqualität

So unterschiedlich die Hintergründe dieses Krankheitsbildes sind, genauso verschieden können die Ausprägungen des Reizdarm-Syndroms sein. Bei dem einen dominieren Verstopfungen, der andere hat regelmäßig mit Durchfällen zu kämpfen. Eine dritte Gruppe klagt über wechselnde Beschwerden. In allen Fällen hat sich eine integrative Behandlung bewährt, die aus vielen naturheilkundlichen Bausteinen besteht. Das Ziel ist, das Wohlergehen dauerhaft zu verbessern. Zu Stressabbau, Entspannungsübungen und Lebensstilveränderungen in den Bereichen Ernährung und Bewegung gehört auch die medikamentöse Seite. Für eine Langzeitanwendung eignen sich die Mittel aus der Pflanzenmedizin besonders gut, weil sie leicht verträglich sind und kaum Nebenwirkungen haben. Welche Arzneikräuter die passenden sind, ist individuell verschieden

Platz eins: Pfefferminze

Pfefferminze ist eine der wichtigsten Phytoarzneien beim Reizdarm-Syndrom. Mit ihrer krampflösenden Wirkung entspannt sie die Muskulatur der Darmwände, befreit von Schmerzen und fördert die Verdauung. Pfefferminze gilt als Karminativum. Dies bedeutet, ihre ätherischen Öle erleichtern den Abgang aufgestauter Luft im Darm und können Blähungen auflösen. Kapseln mit Pfefferminzöl gelten inzwischen als oft empfohlene Mittel, um viele Reizdarm-Symptome gleichzeitig zu lindern.

Gut kombiniert

Je nach Beschwerdebild kann es sinnvoll sein, mehrere Arzneipflanzen miteinander zu kombinieren. Anis, Fenchel und Kümmel sind drei Samen, die sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig verstärken. Zusammen ergeben sie ein starkes Trio gegen schmerzhafte Darmwinde. Erhältlich als Tees, Tropfen und Fertigarzneien. Ergänzend können Einreibungen mit Melissen- oder Ingweröl für ein wohliges Bauchgefühl sorgen. Bei der inneren Anwendung fördert Ingwer zudem den Gallenfluss und regt die Verdauungssäfte an.

Flohsamen bei Verstopfung

Beim Reizdarm, der überwiegend von Verstopfungen geprägt ist, haben sich Indische Flohsamen bewährt. In gemahlener Form und als Pulver sind sie in der Apotheke erhältlich. Vor der Einnahme müssen sie in reichlich Wasser quellen, damit sie die richtige Wirkung erzielen. In erster Linie sollen sie die Darmtätigkeit anregen und den Stuhlgang erleichtern. Weil sie viel Flüssigkeit binden, können Flohsamenschalen gleichzeitig bei Durchfall helfen.

Myrrhe für Mischtypen

Brombeerblätter und Blutwurz-Wurzel sind Pflanzenteile mit hohem Gerbstoffanteil. Ebenso wie getrocknete Heidelbeer-Früchte wirken sie stopfend bei Durchfall und können die Stuhlfrequenz deutlich reduzieren. Kaffeekohle nimmt zudem Gärungsprodukte und andere schädliche Stoffe aus dem Darm auf. Ideal für Mischtypen, die unter wechselnden Reizdarm-Symptomen leiden, ist Kaffeekohle in Ergänzung mit krampflösenden Kamillenblüten und entzündungshemmenden Myrrhe-Extrakten. Professor Dr. Jost Langhorst, Chefarzt der Klinik für integrative Medizin und Naturheilkunde in Bamberg, hat diese Dreier-Kombination aus Pflanzenstoffen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten untersucht und empfiehlt Myrrhe-Mittel zum einen bei chronischen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und zum anderen, um dem Reizdarm mehr Ruhe zu schenken.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

Bildnachweis: ©Coloures-Pic – stock.adobe.com