Artemisia – die Mutter aller Kräuter

Naturheilkunde
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Das unscheinbare Kraut, besser bekannt als Beifuß, kann gegen viele Alltagsbeschwerden helfen. Auch die Forschung hat die altbekannte Heilpflanze neu entdeckt

Beifuß steht derzeit bei Wissenschaftlern der Universität Würzburg hoch im Kurs. Denn die Inhaltsstoffe, die sogenannten „Artemisinine“, haben ein großes Potenzial für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krankheiten wie Epilepsie, Schizophrenie und Alzheimer. Sie könnten aber auch in der Krebs- und Diabetesforschung in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. In der internationalen Wissenschaft hat Beifuß bereits höchsten akademischen Ruhm erlangt. Die chinesische Pharmakologin Dr. Youyou Tu erhielt für ihre Untersuchungen zur Wirksamkeit von Beifuß bei Malaria den Nobelpreis für Medizin.

Es geht aber auch eine Nummer kleiner. Denn Beifuß ist in der Lage, ganz alltägliche Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Krämpfe oder Abgeschlagenheit zu lindern. Und so vielfältig, wie diese Pflanze ist, so sind auch ihre Anwendungsmöglichkeiten:

Duftsäckchen

Wegen seiner beruhigenden Wirkung  können Sie Beifuß in einem kleinen Duftkissen als Einschlafhilfe benutzen. Dafür eignet sich die Eberraute als eine Unterart des Beifuß-Krautes. Füllen Sie einen Stoffbeutel mit getrocknetem Kraut, Blättern oder Blüten aus der Apotheke. Wie viele dieser Pflanzenteile Sie nehmen, entscheiden Sie selbst. Je mehr Eberraute Sie verwenden, desto intensiver ist der Duft.

Vollbad

Als Badezusatz wirkt ätherisches Beifußöl des gewöhnlichen Beifuß (Artemisia vulgaris) aus der Apotheke wärmend, entspannend und krampflösend. Außerdem kann dieses altbekannte Hausmittel gegen Bauchweh und Rückenschmerzen zum Einsatz kommen. Je nach Intensität des Öls reichen ein bis zehn Tropfen im Badewasser aus.

Fußbad

Waren Sie den ganzen Tag auf den Beinen, kann ein entspannendes Artemisia-Fußbad eine echte Wohltat sein. Wie beim Vollbad ist auch hier der gewöhnliche Beifuß das Mittel der Wahl. Kochen Sie dafür etwa 50 Gramm trockenes Kraut in drei Litern Wasser auf. Lassen Sie es danach 15 Minuten ziehen. Ist das Wasser auf die gewünschte Temperatur abgekühlt, filtern Sie es durch ein Baum-wolltuch in eine Schüssel. Im Beifuß-Sud die Füße baden und genießen.

Tee

Bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden oder Krämpfen kann ein Beifußkraut-Tee aus der Apotheke sehr wohltuend sein. Allerdings schmeckt er sehr bitter. Ein bis drei Gramm Kraut pro Tasse sollten es sein. An den leicht bitteren Geschmack werden Sie sich schnell gewöhnen.

Homöopathie

Als eine der vielen Beifuß-Unterarten wird die Eberraute („Abrotanum“) in der Homöopathie zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Auch zur Linderung von Gelenkschmerzen und Wundheilungsstörungen greifen Homöopathen gerne auf dieses Mittel zurück.

Alleskönner mit Geschichte

Beifuß mit seinen etwa 250 Unterarten ist als Küchen- und Heilpflanze in vielen Kulturen bereits seit Jahrtausenden bekannt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spielt Beifuß seit Langem als sogenanntes „Moxa“-Kraut eine wichtige Rolle. Dabei werden auf speziellen Akupunkturnadeln kleinste Mengen von Beifuß verbrannt. Durch die Wärme der Nadeln soll der Energiefluss des Körpers angeregt werden. Ab dem Mittelalter taucht der Beifuß in vielen Kräuterbüchern als „Mutter aller Kräuter“ auf. Er galt als probates Mittel zur Behandlung von Frauenleiden, sollte aber auch Verdauungsstörungen und Harnstauungen heilen. Heute ist er ein beliebtes Hausmittel zur Behandlung einer ganzen Reihe von Alltagsbeschwerden.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern