Selbst-Test mit Tücken

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Haben Tiere ein Ich-Empfinden? Um diese Frage zu klären, verwenden Verhaltensforscher seit 50 Jahren den sogenannten Spiegel-Test. Doch jetzt zeigt sich, dass diese Untersuchungsmethode wohl doch nicht so ganz eindeutige Ergebnisse liefert.

Der Testaufbau ist denkbar einfach: Ein Tier bekommt an einer Körperstelle, die es nur in seinem Spiegelbild sehen kann, einen kleinen Farbklecks verpasst. Entdeckt es beim Betrachten den Fleck, und versucht es daraufhin, diesen zu entfernen, galt das bisher als sicheres Zeichen, dass das Tier sich selbst im Spiegel wiedererkennt und somit also ein Ich-Bewusstsein hat. Seither haben Tiere wie Schimpansen und Orang-Utans, aber auch Delfine, Elefanten und Rabenvögel diesen Test mühelos bestanden. Kein Wunder, wird ihnen von der Wissenschaft doch eine hohe Intelligenz bescheinigt.

Vor Kurzem aber hat den Forschern nun der Putzerlippfisch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn obwohl ihm die Forschung eher wenig Grips und schon gar kein Ich-Gefühl zutraut, hat auch er mühelos den Farbklecks-Test bestanden und sich in einem Spiegel wiedererkannt. Was das nun für die bisher an Delfin, Affe und Co. durchgeführten Selbst-Tests bedeutet, darüber sind sich die Experten noch nicht so ganz einig. Klar ist aber, dass Hunde und Katzen mit einem Spiegel überhaupt nichts anfangen können. Manche dieser Tiere scheinen ihr Abbild sogar für einen Feind zu halten, den sie mutig angreifen und attackieren. Aber vielleicht erkennen sie sich ja doch darin wieder und sind nur mit ihrem Äußeren nicht einverstanden – wer weiß das schon?

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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