Diabetes: Regeln für die Fußpflege - Vom: 04.05.2015

Diabetes: Regeln für die Fußpflege

Diabetikerfüße brauchen viel Aufmerksamkeit, denn sie sind anfällig für chronische Wunden. Eine gute Fußpflege hilft vorzubeugen.

Zwei von drei Diabetikern glauben nicht, dass sie auf ihre Füße achten müssen. So das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 3.400 Diabetikern. Ein möglicherweise fataler Irrtum, denn ein achtsamer Umgang mit den Füßen und eine konsequente Hautpflege können Diabetikerfüße vor schwerwiegenden Folgeerkrankungen bis hin zur Amputation schützen. Fußprobleme frühzeitig zu erkennen oder – besser noch – zu verhindern, ist zum Glück gar nicht so schwer. Beherzigen Sie am besten diese neun einfachen Regeln.

Regelmäßig inspizieren

Diabetiker sollten ihre Füße jeden Tag genau ansehen, und zwar abends bei guter Beleuchtung. Bei der Inspektion die Fußsohle mit einem Spiegel auf Druckstellen, Fremdkörper, Schwellungen, Rötungen und Verletzungen wie Wunden und Risse untersuchen. Das ist wichtig, denn Diabetiker mit einer peripheren Nervenschädigung (Polyneuropathie) haben ein vermindertes oder gar nicht mehr vorhandenes Schmerzempfinden.

Behutsam baden

Die Füße sollten täglich behutsam gesäubert werden. Wenn die Haut intakt ist, ist ein drei- bis fünfminütiges Fußbad mit einem hochwertigen Zusatz (Apotheke) empfehlenswert. Die ideale Badetemperatur liegt bei 35, maximal 37 bis 38 Grad Celsius. Bitte die Wassertemperatur mit einem Badethermometer überprüfen, denn das Temperaturempfinden ist bei Diabetikern mit einer Nervenschädigung eingeschränkt oder aufgehoben. Bei Hautreizungen oder Wunden unbedingt auf Fußbäder verzichten.

Sorgfältig abtrocknen

Nach dem Fußbad müssen die Füße sorgfältig mit einem weichen Handtuch abgetrocknet werden. Für die Zehenzwischenräume eignen sich weiche Wattepads. Föhn, Rotlichtlampe, Wärmflasche, Heizkissen & Co. sind wegen der Verbrennungsgefahr zum Trocknen oder Erwärmen der Füße tabu. Sind die Füße kalt, machen bequeme Baumwollsocken und ein bisschen Bewegung wieder warm.

Mit Fett und Feuchtigkeit pflegen

Zur täglichen Pflege trockener Fußhaut sind fetthaltige Cremes mit feuchtigkeitsbindenden Wirkstoffen wie Urea sehr gut geeignet. Regelmäßiges Eincremen stabilisiert die Hautbarriere, Hauteinrisse oder Rhagaden mit Infektionsgefahr durch Bakterien oder Pilze werden vermieden. Der Apotheker weiß, welche medizinischen Fußcremes für Diabetikerhaut empfehlenswert sind.

Weder spitz noch scharf

Zur Nagelpflege und Hornhautentfernung bitte keine scharfen Instrumente wie Scheren, Hobel, Rasierklingen oder grobe Feilen verwenden. Für die Nagelkürzung kommen Sandblatt- oder Diamantfeilen infrage. Zur Hornhautentfernung eignen sich unter anderem ein Naturbimsstein oder ein Hornhautweichschwamm. Die Fußnägel sollten nach dem Feilen parallel zur Zehenkuppe abschließen, die Nagelecken leicht abgerundet werden.

Finger weg von Hühneraugen

Die Behandlung von Hühneraugen gehört bei Diabetikern in die Hände eines Fußspezialisten. Denn hornhautauflösende Mittel führen zu einer Aufweichung der Haut, was das Infektionsrisiko erhöht.

Passende Schuhe wählen

Empfehlenswert sind passgenaue, atmungsaktive und luftdurchlässige Lederschuhe ohne drückende Innennähte mit maximaler Absatzhöhe von vier Zentimetern bei Frauen und drei bei Männern. Barfußgehen und Laufen auf Strümpfen ist für Diabetiker mit peripherer Nervenschädigung gefährlich und deshalb tabu! In Schwimmbädern oder öffentlichen Saunaanlagen verringern Badeschuhe die Gefahr einer Pilzinfektion. Hat man sich trotzdem eine Verletzung oder Infektion zugezogen, heißt die Devise: Sofort zum Arzt!

Schuhe nachmittags kaufen

Auch ihre Schuhe sollten Sie täglich inspizieren und austasten. Denn Steinchen und Krümel, aber auch drückende Innennähte oder abgescheuertes Innenfutter können Verletzungen verursachen. Neue Schuhe am besten nachmittags anprobieren, da der Fuß tagsüber anschwillt. Baumwollsocken ohne drückende Innennähte und schnürenden Randsaum ermöglichen einen faltenfreien Sitz und verhindern Hautreizungen. Ebenfalls wichtig: Socken bei mindestens 60 Grad Celsius waschen.

Fußgymnastik machen

Täglich ein wenig gezielte Fußgymnastik treiben – das ist wenig Aufwand und bringt viel. Der Arzt und der Physiotherapeut wissen, welche Übungen zur Durchblutungsförderung, Kräftigung der kurzen und langen Fußmuskeln und Vorbeugung von Haltungsschwächen am Fuß geeignet sind.Doch, Vorsicht: Beim diabetischen Charcotfuß (Erkrankung der Nerven, Knochen und Gelenke) sind wegen der Vorfußbelastung mit der Gefahr eines Knochenbruchs Vorfuß- und Zehenstandübungen nicht geeignet.

Diabetiker sollten ihre Füße jeden Abend bei guter Beleuchtung ansehen.

© Eduard Gerlach GmbH

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