Alter schützt vor Allergien nicht

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Heuschnupfen mit 60? Allergisches Asthma mit 70? Immer mehr Senioren erkranken neu an einer Allergie. Woran das liegt und was dann hilft, erklärt Professor Ludger Klimek vom Ärzteverband Deutscher Allergologen.

Professor Klimek, warum schützt ein höheres Lebensalter nicht mehr automatisch vor allergischen Erkrankungen? Neu auftretende Allergien bei älteren Menschen sind ein Phänomen, das bislang so nicht bekannt war. Früher haben wir gesagt, ab 50 sei die Entwicklung einer Allergie unwahrscheinlich. Das trifft heute nicht mehr zu. Ein Grund dafür ist die verbesserte medizinische Versorgung, die auch dazu führt, dass viele ältere Menschen heute noch ein sehr gutes Immunsystem haben, das auch zu Überreaktionen fähig ist. Das ist die Grundvoraussetzung für die Ausbildung einer Allergie. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein älterer Mensch mit leistungsfähigem Immunsystem irgendwann eine Allergie entwickelt, ist hoch. Hinzu kommt, dass sich die Umweltbedingungen generell so verändert haben, dass Allergien heute leichter entstehen können – sowohl bei jungen als auch bei älteren Menschen.

Welche Symptome sind typisch für eine allergische Erkrankung? Charakteristische Anzeichen sind Atem­­not, gerade bei Belastung, und häufig unklarer Husten, der lange Zeit andauert. Aber auch eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infekten, Dauerschnupfen oder eine verstopfte Nase sollten aufhorchen lassen. Typische Allergiezeichen können auch Veränderungen der Haut sein, zum Beispiel Ekzeme, Juckreiz, sehr trockene, schuppige Haut oder Hautrötungen.

Gibt es bestimmte Allergien, unter denen vor allem ältere Menschen leiden? Es gibt keine alterstypische Allergie. Wir sehen aber bei Älteren häufiger Allergien im Bereich der Bronchien und der Haut und weniger den klassischen Heuschnupfen. Häufig bekommen ältere Menschen leider die schwerer zu behandelnden Allergien. Erschwerend kommt hinzu, dass bei älteren Allergikern die körperlichen Reserven meist geringer sind als bei jüngeren Patienten. Atemnot wirkt sich dann wesentlich schlimmer aus.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? In vielen Fällen hilft eine spezifische Immuntherapie, die auch als Hypo- oder Desensibilisierung bezeichnet wird. Sie gewährleistet als einzige Behandlung langfristig einen sicheren Schutz vor allergischen Reaktionen. Auch bei vielen älteren Patienten ist diese Behandlung noch problemlos durchführbar. Grundsätzlich sollte man eine Allergie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Durch die ständigen Entzündungen können chronische Schäden an den Atemwegen entstehen.

Viele Menschen entwickeln mit dem Alter plötzlich eine Allergie.

Quelle: www.ratgebergesund.de

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