Berührungen – Heilkraft der Hände

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Wenn uns jemand umarmt oder sacht übers Gesicht streicht, spricht das nicht nur unseren Tastsinn an. Berührungen haben auch vielfältige positive Effekte auf Körper, Geist und Psyche.

Warum ist es für uns überhaupt so wichtig, berührt zu werden? Woher rührt diese Sehnsucht nach körperlicher Nähe? Die Antwort liefert die Evolution: Schon im Mutterleib entwickelt sich der Tastsinn vor allen anderen Sinnen; Embryos reagieren bereits ab der siebten Schwangerschaftswoche auf Berührungsreize. Der Mensch erfühlt also seine Umwelt, lange bevor Augen und Ohren ausgebildet sind. Berührung ist die erste Sprache und auch nach der Geburt lebenswichtig. Fehlen Hautkontakt und innige Zuwendung, kann das die physische und psychische Gesundheit des Kindes stark beeinträchtigen. Auch die Medizin hat die heilende Kraft von Berührungen und deren therapeutisches Potenzial allmählich erkannt.

Empfindsame Haut

Unser größtes Organ ist ausgesprochen kommunikativ. Millionen berührungsempfindlicher Sinneszellen und Nervenenden stehen in permanentem Austausch und kommunizieren auch mit dem Gehirn. Ist der Sand fein oder grob, die Wolle kratzig oder weich? Brennt oder prickelt etwas auf der Haut? Blitzschnell werden verschiedenste äußere Reize erfasst und präzise analysiert. Ohne diese Informationen wären wir verloren, würden beispielsweise die Gefahr des Feuers nicht spüren. Unser Tastsinn geht aber noch weiter, denn angenehme Berührungen bescheren uns auch messbare Momente des Glücks. Durch Streicheln und anderen sanften Hautkontakt werden nämlich Glückshormone wie Dopamin oder Oxytocin ausgeschüttet.

Kuscheln als Therapie?

Neben dem Gefühl des Wohlbefindens haben liebevolle Berührungen einen enormen gesundheitsfördernden Nutzen. Sie helfen bei der Normalisierung des Herzschlags und senken den Blutdruck. Durch Reduzierung des Stresshormons Kortisol sinkt das Stresslevel, Schmerzen und Angst werden weniger stark empfunden, und auch das Immunsystem profitiert. Forscher der Universität Pittsburgh fanden heraus, dass Menschen, die regelmäßig umarmt werden, seltener an Erkältungen litten. Könnte Kuscheln demnach eine Art Therapie sein?

Massage gegen Depression

Tatsächlich gibt es bereits eine Reihe Körpertherapien, die unter anderem erfolgreich bei der Behandlung von Schmerz-, Trauma- oder Krebspatienten eingesetzt werden. Menschen mit Depressionen hilft nachweislich die sogenannte »Slow-Stroke«-Massage durch eine sehr sanfte Technik mit langen, langsamen Ausstreichungen. Diese Massage, entwickelt von dem Professor für Klinische Pharmakologie, Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, in Zusammenarbeit mit der Tänzerin Claudia Berg, kann die ausgeprägte Erstarrung der Patienten auflösen. Die sachten Berührungen der Haut verhelfen depressiven Menschen somit zu einem besseren eigenen Körpergefühl, neuer Lebensenergie und positiverer Stimmung – die Seele streicheln sie sowieso.

Besserung durch Berührung

Viel Gutes kann einfühlsamer Hautkontakt auch bei der Behandlung von Menschen mit besonderen Einschränkungen und Desorien­tierung stiften, etwa Schlaganfall-Patienten, Demenzkranken oder Hochbetagten. Leichtes Massieren und Streicheln hilft ihnen, sich selbst und ihre Umgebung besser wahrzunehmen, mindert Ängste und sorgt für mehr Ruhe und Vertrauen. Dies sind nur einige überzeugende Argumente für die Heilkraft der Berührung. 

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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