Freunde helfen

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Freunde sind gut für die Seele. Mehr als das. Forscher haben jetzt herausgefunden, wie wichtig soziale Kontakte in der Demenz-Prävention sind.

Viele Freunde zu haben, ist nicht wichtig. Es müssen die richtigen sein. Menschen, bei denen wir uns geborgen fühlen, denen wir vertrauen. Welche, mit denen wir lachen und auch mal weinen können. Wenn all das erfüllt ist, dann sprechen wir von wahrer Freundschaft. Die Seele nährt sich von solch starken sozialen Bindungen und erzeugt ein Wohlgefühl, das auch dem Körper guttut. Ganz besonders dem Gehirn. Ein Forscherteam vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin wollte es genau wissen: Welche Rolle spielen Freundschaften in der Demenz-Prävention?

Spuren im Gehirn

»Wir waren überrascht«, so die Nachwuchswissenschaftlerin Nora Bittner, »wie stark sich Freundschaften auf das Gehirn auswirken.« Bei rund 600 Personen im Alter von 55 bis 85 Jahren konnten die Forscher auf die Kernspinaufnahmen der Gehirne ihrer Probanden zurückgreifen und wussten über deren Lebenssituationen Bescheid. Das Ergebnis: Am Denkorgan ließ sich klar ablesen, wie intensiv ein Mensch in sein soziales Umfeld eingebunden ist. »Bei Menschen, die Kontakte pflegen, ist die graue Substanz in bestimmten Hirnregionen besser erhalten als bei Personen, denen ein soziales Netzwerk fehlt.«

Gesund für Körper und Seele

Demenz-Forscher meinen: Ein regelmäßiger Austausch mit anderen kann helfen, lange geistig fit zu bleiben. Sie wissen auch, warum: Gespräche mit Freunden regen die Nervenzellen im Gehirn an. Der Kopf ist gefordert, wenn uns soziale Kontakte am Herzen liegen. Freundschaften können also auf lange Sicht vor dem geistigen Abbau bewahren. Kurzfristig kann eine angenehme Gesellschaft wie Balsam für die Seele sein. Schon ein Mal in der Woche in netter Runde Karten spielen soll sich günstig auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirken.

Schutz vor Einsamkeit

Mit zunehmendem Alter scheinen Freundschaften eine immer wichtigere Rolle zu spielen. Eine kanadische Studie mit rund 25.000 Teilnehmern untermauert diese Annahme. Sie besagt: Senioren, die ihren Freundeskreis pflegen, sind gesünder als Menschen, die ungewollt viel alleine sind. Einsamkeit, weiß man, ist ein Stressfaktor. Das Risiko für Bluthochdruck kann sich erhöhen, für Schlafstörungen und für ein schwaches Immunsystem. Nicht zuletzt steige die Gefahr, an Demenz zu erkranken, wenn der Kontakt zu anderen fehlt.

Besser zu zweit

Freundschaftliche Verbindungen sind zwar keine Garantie für ein langes, gesundes Leben. Sie haben aber Einfluss auf das Wohlbefinden. Zu zweit oder in der Gruppe lässt sich Alzheimer auf eine angenehme Weise vorbeugen. Gemeinsame Unternehmungen machen Spaß und haben – laut der Jülicher Studie – einen Effekt, der im Gehirn ablesbar ist.

Zusammen fit bleiben

Übrigens zeigte sich, dass ein guter Sozialkontakt ähnlich positive Auswirkungen auf die Hirnstruktur hat wie körperliche Aktivität. »Wer sich regelmäßig bewegt, zeigt im Alter einen geringeren Volumenverlust des Gehirns als die Menschen, die inaktiv leben«, erklärt die Wissenschaftlerin Nora Bittner. Da Freundschaften und Fitness gleichermaßen zur Hirngesundheit beitragen, stellt sich für die Forscher eine nächste Frage: Wirkt sich Sport in der Gruppe eventuell anders auf die geistige Leistungsfähigkeit im Alter aus als ein Training alleine zu Hause? Demnach können Bewegungsprogramme zusammen mit Gleichgesinnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zusammen wandern, Fahrrad fahren oder zur Wassergymnastik gehen tut nicht nur gut. Es ist ein Anti-Demenz-Training für Körper, Geist und Seele.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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