Wann kommt ein Corona-Impfstoff?

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Er wird dringend gebraucht, überall auf der Welt: ein Impfstoff gegen
SARS-CoV-2. Viele Kandidaten werden mittlerweile getestet. Die Ansätze sind erfolgversprechend. Doch wann gelingt der Durchbruch?

Schneller und intensiver wurde in Sachen Impfstoff-Entwicklung wohl noch nie geforscht: Seit das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 die Welt in Atem hält, treiben Wissenschaftler die Suche nach geeigneten Gegenmitteln unter Hochdruck voran. Aus gutem Grund, denn schließlich könnte uns eine Impfung vor der tückischen Atemwegsinfektion Covid-19 schützen, ihre weitere Ausbreitung verhindern und dem Coronavirus den Schrecken nehmen. 

Prinzip der Täuschung

Ganz gleich, gegen welche Krankheit sich eine Impfung richtet – das Wirkprinzip ist immer ähnlich: Der verabreichte Impfstoff, im Medizinerdeutsch Vakzin genannt, gaukelt unserem Körper vor, er sei mit einem aggressiven Erreger infiziert – zum Beispiel mit SARS-CoV-2. In der Folge bildet das körpereigene Immunsystem spezielle Antikörper gegen den Angreifer. Werden wir zu einem späteren Zeitpunkt mit dem »echten« Virus konfrontiert, reagiert unsere Abwehrtruppe sofort: Sie macht den Erreger unschädlich, ehe es zu einer Infektion kommt.

Mühsamer Prozess

Einen passgenauen und gleichzeitig sicheren Impfstoff zu entwickeln, ist ein sehr aufwendiger und langwieriger Prozess. Nicht selten dauert es zehn bis 20 Jahre, bis ein neues Vakzin alle Entwicklungsstadien durchlaufen und die Zulassung erhalten hat. Bei SARS-CoV-2 könnte es schneller gehen, sehr viel schneller. Optimistische Schätzungen gehen von ein bis anderthalb Jahren aus. 

Bisherige Forschungsansätze sind vielversprechend: Bereits im Mai befanden sich weit über 100 potenzielle Impfstoff-Kandidaten in der präklinischen Erprobung, einige bereits in der klinischen Prüfung. Hierbei wird an freiwilligen Testpersonen untersucht, ob das neu entwickelte Präparat wirksam und sicher ist. In Phase I erhalten nur wenige gesunde Freiwillige den Impfstoff, in der entscheidenden Phase III wird er Hunderten bis Tausenden Menschen verabreicht, darunter auch Risikopatienten.  

Verschiedene Ansätze

Auf der Suche nach einem zuverlässigen Schutz vor Covid-19 arbeiten Unternehmen und Forschungsinstitute weltweit an verschiedenen Impfstoffarten: Unter anderem werden Lebendimpfstoffe mit Vektorviren untersucht. Vektorviren sind gut bekannte Erreger, die sich im menschlichen Körper vermehren, aber keine Erkrankung auslösen können. Erforscht werden auch Totimpfstoffe mit Virusproteinen, die das Material inaktivierter SARS-CoV-2-Viren enthalten und auf einer bewährten Technologie beruhen. Neueste Hoffnungsträger sind genbasierte Impfstoffe auf Basis von DNA oder mRNA. Die Prinzipien sind allerdings so innovativ, dass es keine Erfahrungen mit vergleichbaren Impfstoffen gibt. Das könnte den Weg bis zur Zulassung erschweren.   

Doch unabhängig von der Art des Impfstoffs gilt: Jeder potenzielle Kandidat muss umfassende Prüfungen – sowohl in Tierversuchen als auch in klinischen Studien – durchlaufen, um seine Sicherheit zu beweisen und Nebenwirkungen möglichst auszuschließen. Erst wenn alle Tests bestanden und das neue Serum zugelassen ist, kann die groß angelegte Produktion erfolgen. Ihr Ziel: Einen sicheren Impfstoff möglichst weltweit verfügbar zu machen.

Vom Reagenzglas bis zur Spritze:

Jedes Impfprojekt muss sechs Etappen durchlaufen:

1. Analyse des Virus

2. Design des Impfstoffs

3. Erprobung in Tierversuchen

4. Klinische Studien an freiwilligen Testpersonen in mehreren Phasen 

5. Zulassungsverfahren

6. Massenproduktion

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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