Akromegalie – Wachstum außer Kontrolle

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Akro … was? Das komplizierte Wort bezeichnet eine Erkrankung, die nur wenige betrifft – aber massive Auswirkungen mit sich bringt. Woran sie erkennbar ist und welche Therapien helfen können.

Zu den seltenen Erkrankungen gehört auch die Akromegalie. Nur 300 Patienten erhalten hierzulande jährlich die Diagnose. Durchschnittlich acht Jahre dauert es von den ersten Symptomen bis zur Feststellung der Erkrankung und damit bis zur geeigneten Behandlung. Einer der Gründe: Die Signale einer Akromegalie sind oft unspezifisch und der Verlauf schleichend.

Unerwünschter Zuwachs 

Bei der Akromegalie kommt es zu einer Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin. Tritt die Erkrankung schon im Kindesalter auf, also bevor sich die Wachstumsfugen der Knochen geschlossen haben, führt dies zum Riesenwuchs, dem sogenannten Gigantismus. Betroffene werden dann überdurchschnittlich groß. Zeigt sich die Akromegalie erst nach dem 20. Lebensjahr, nehmen lediglich, etwa durch Bindegewebs- und Knorpelwachstum, die sogenannten Akren an Volumen zu. Hierbei handelt es sich um unsere Körperenden, also um die äußersten Körperspitzen, wie Finger, Zehen, Nase, Augenbrauenwulste und Kinn. Dieses Symptom ist namensgebend, doch kann es im Rahmen der Erkrankung zu vielen weiteren kommen. 

Verschiedenste Anzeichen

Die körperlichen Veränderungen entwickeln sich meist langsam, sodass sie oftmals gar nicht auffallen oder zumindest nicht als krankhaft wahrgenommen werden. Es kommt im Verlauf der Akromegalie jedoch nicht nur zu Vergrößerungen bestimmter Körperpartien, auch die Gesichtszüge verändern sich. Sie werden grober, es entwickeln sich ausgeprägte Stirn- und Mundfalten, selbst die Zunge nimmt an Masse zu. Die Zähne können weiter auseinandertreten und Knorpelverdickungen im Kehlkopf eine tiefere Stimme hervorrufen. Daneben leiden viele Patienten unter Hautveränderungen und verstärktem Schwitzen, geringer Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Bluthochdruck, Gelenkveränderungen, Diabetes und Sehstörungen sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen der Krankheit.

Diagnostik und Therapie

In 99 Prozent der Fälle ist die Ursache der Akromegalie ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), der die unkontrollierte Ausschüttung des Wachstumshormons auslöst. Wird – oft zufällig – bei einer Laboruntersuchung ein erhöhter Spiegel festgestellt, folgt zur Diagnostik ein Zuckerbelastungstest. Hierbei wird nach der Gabe einer Zuckerlösung, die die Hormonausschüttung hemmen soll, der Wert gemessen. Fällt dieser nicht ab, gilt die Diagnose als gesichert. Ein MRT gibt anschließend genauen Aufschluss über Größe und Lage des Tumors.  Wenn möglich, wird dieser bei einem Eingriff vollständig entfernt, ohne die Funktionen der Hirnanhangsdrüse zu beeinträchtigen. Führt die OP nicht zum Ziel, kommt eine Strahlen- und/oder medikamentöse Therapie zum Einsatz. Da die Erkrankung auch nach scheinbarer Heilung erneut auftreten kann, ist eine dauerhafte ärztliche Kontrolle erforderlich. 

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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