Düfte in der Krebstherapie - Vom: 28.09.2018

Düfte in der Krebstherapie?

Der Geruchsforscher Professor Hanns Hatt und sein Team bringen Erkenntnisse ans Licht, die Tumorpatienten in Zukunft ganz neue Wege zeigen können.

Wir riechen mit der Nase – soweit, so gut. Wussten Sie, dass auch Ihre Haut „schnuppern“ kann? Ebenso wie Leber, Lunge und Darm. Duftrezeptoren stecken nämlich im ganzen Körper. Sogar in Krebszellen. Was tun sie da?

„Duftrezeptoren, die in Geweben außerhalb der Nase liegen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum, „ haben mit Riechen im herkömmlichen Sinn nichts zu tun.“ Die Rezeptoren nehmen chemische Reize wahr und können unter gewissen Umständen das Zellwachstum im menschlichen Körper beeinflussen.

Krebszellen reagieren auf Düfte

Duftrezeptoren sind sogar in Tumorzellen vorhanden – oft in großen Mengen. Eine Erkenntnis, die für die Krebsdiagnose von Bedeutung sein kann. Duftrezeptoren, so die Bochumer Geruchsforscher, können als Marker für Tumore und Metastasen dienen. Auch für die Krebstherapie sieht Hatt Potenzial. „Es gibt Tumorarten, die sind gut von außen für Duftstoffe zugänglich, z. B. Blasen- und Darmkrebs.“

Schlüssel-Schloss-Prinzip

In einer Studie konnte der Zellphysiologe den Signalweg von Leberkrebszellen nachweisen. „Terpene“, so Hatt, „sind Pflanzenstoffe und Hauptbestandteile ätherischer Öle. Sie können Signalprozesse in Zellen anstoßen, wenn sie Duftrezeptoren aktivieren. “ In Labortests stellte sich heraus, dass ein spezielles Terpen – Citronellal in Zitrusölen – das Wachstum von Leberkrebszellen hemmt. Terpen und Rezeptor passen zusammen wie ein Schlüssel ins Schloss.

Neue Krebsmedikamente

Ziel ist, auf Grundlage dieser Erkenntnisse für die Krebstherapie neue Medikamente mit weniger Nebenwirkungen zu entwickeln. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Es sind weitere intensive Forschungen nötig“, so Hatt. Sicher ist er schon heute: „In Zukunft wird der Einsatz von Duftstoffen für die Pharmakologie ein breites Spektrum an neuen therapeutischen Möglichkeiten eröffnen.“

Düfte und ätherische Öle gibt es in Ihrer Apotheke und sie haben unterschiedliche Wirkweisen:

Lavendelduft ist schlaffördernd, Melisse hellt die Stimmung auf und Pfefferminze steigert die Konzentration.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

Uhrheberrechtliche Hinweise und Impressum
Diesen Artikel: per E-Mail mailen | Ausdrucken drucken | Ausdrucken vorlesen