Fiebermessen mit Methode - Vom: 13.01.2018

Fiebermessen mit Methode

Ohr oder After, Infrarot oder digital – wo und womit wird Fieber am besten gemessen? Wir haben die Antworten.

Die einen spielen bei 39 Grad Fieber noch fröhlich mit ihren Matchboxautos, die anderen verschlafen den Tag – so unterschiedlich wirkt Fieber auf Kinder. Auch Erwachsene reagieren sehr individuell: Die einen schalten einen Gang zurück, suchen sich im Büro ruhige Arbeiten oder treten daheim beim Hausputz kürzer. Andere benötigen mehr Schonung, liegen mit Begleiterscheinungen wie Kopf- und Gliederschmerzen schnell flach. So oder so, es ist stets gut zu wissen, wie hoch die Körpertemperatur tatsächlich ist, um bei hohem Fieber gegensteuern und einen Arzt hinzuzuziehen zu können.

Die normale Körpertemperatur liegt bei 37 Grad. Allerdings nur im Durchschnitt. Individuell kann diese Grundtemperatur variieren und auch im Tagesverlauf verändert sich die Wärme im Körperkern – das heißt im Inneren von Kopf und Rumpf. Die Haut und die Gliedmaßen haben häufig eine niedrigere Temperatur. Schon das erklärt, warum der Ort des Fiebermessens Einfluss auf die Aussagekraft und die Genauigkeit des Ergebnisses hat: Im After, im Ohr, unter den Achseln, unter der Zunge liegt die Temperatur auch bei gesunden Menschen unterschiedlich hoch.

Pluspunkte für Messung im Po

Der Arzt Daniel J. Niven und seine Kollegen vom Peter Lougheed Centre, einem Allgemeinkrankenhaus im kanadischen Calgary, wollten mehr über die Messgenauigkeit wissen und werteten 75 Studien aus, die sich mit Präzision und Abweichungen von Fiebermessmethoden beschäftigen. Das Ärzteteam ermittelte einen eindeutigen Favoriten: die Messung im After, auch rektale oder zentrale Messung genannt. Sie schneidet am besten ab, während das Ergebnis bei peripheren Messmethoden in Mund und Ohr, unter den Achseln sowie an Stirn und Schläfe bis zu 1,46 Grad bei Erwachsenen und bis zu 1,49 Grad bei Kindern abwich.

Für Personen mit einer Immunschwäche oder für Krebspatienten sind solche Messfehler zu groß, denn Fieber ist ein wichtiges Warnsignal für Infektionen, die Menschen mit diesen Vorerkrankungen gefährlich werden können. Das Erkennen schon von leichtem Fieber ermöglicht ein frühes Eingreifen. Die Körpertemperatur sollte hier ganz präzise gemessen werden, also rektal.

Doch nicht immer kommt es allein auf Präzision an. Will man auf eine zentrale Messung verzichten, etwa um ein Kind nicht zu ängstigen oder um lediglich zu entscheiden, ob der Kindergarten- oder Schulbesuch abgesagt werden sollte, kann ersatzweise im Ohr gemessen werden. Bei Erwachsenen empfiehlt es sich, unter der Zunge zu messen – im Wissen um eine kleine Fehlertoleranz.

Gewusst wie

Über das richtige Thermometer für den Hausgebrauch berät Sie gerne Ihr Apotheker. Ältere kennen und verwenden vor allem das Glasthermometer, in dem die Quecksilbersäule in die Höhe steigt. Seit Längerem gibt es alternativ digitale Thermometer, die schneller messen und mit einem Piepsignal hörbar das Ende der Messung anzeigen. Die flexible Spitze dieser Thermometer bedeutet ein geringeres Verletzungsrisiko, es macht nicht einmal etwas aus, wenn darauf herumgekaut wird. Überdies bietet der Markt spezielle Stirn- und Ohrthermometer, die mit Infrarot messen.

Für alle Methoden gilt: Das Messergebnis wird von der Umgebung beeinflusst, eventuell auch verfälscht. So sollte man nicht versuchen, direkt nach einem wärmenden Bad Fieber zu messen – oder wenn der Kranke eingemuckelt unter der Bettdecke liegt. Auch nach einem erholsamen Spaziergang in der kalten Winterluft sollte man eine Zeit lang warten, bevor das Thermometer zum Einsatz kommt.

Wird, wie es am genauesten ist, rektal gemessen, sollte der Patient auf der Seite liegen und die Knie angezogen haben. Wählt man die Infrarotmethode an der Stirn, kommen in der Stirnmitte die besten Ergebnisse heraus. Das kann bei schlafenden Kindern praktisch sein, die sich gegen andere Messmethoden zur Wehr setzen. Und beim Ohr schließlich ist darauf zu achten, dass es nicht mit Schmalz verstopft ist, wenn Fieber gemessen wird.

Quelle: https://www.ratgebergesund.de/

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