Putzig! - Vom: 09.09.2018

Putzig!

Krebs und Rheuma wegschrubben

Zwei Drittel aller internistischen Auffälligkeiten stehen in Beziehung zum Gebiss, sagt der Bundesverband der naturheilkundlich tätigen Zahnärzte. Was hängt noch alles mit unseren Beißerchen zusammen?

von Saskia Fechte

In der Mundhöhle leben etwa 500 Arten von Lebewesen, darunter Milliarden von Bakterien und Pilzen. Sie sind gleichzeitig Schutztruppe und Krankheitsrisiko, je nachdem, wer das Kommando übernimmt. Das größte Risiko im Mund ist Parodontitis, die Zahnbettentzündung.

Vom Belag zum Bösewicht

Am Anfang steht der Biofilm, ein Mix aus Bakterien und Nahrungsresten auf den Zahnoberflächen und am Zahnfleischrand. Gelingt es den Erregern, der Zahnbürste zu entkommen, dringen sie ins Zahnfleisch ein. Das Immunsystem versucht die Eindringlinge mit einer Entzündungsreaktion loszuwerden, begünstigt damit langfristig aber den Abbau von Zahnknochen und Zahnhaltefasern, bis hin zum Zahnausfall. Dabei entstehende Zahnfleischtaschen sind ein Paradies für Bakterien. Von hier aus können Erreger und Entzündungsstoffe gemütlich in die Blutbahnen und an nahezu jede Körperstelle wandern. So verursachen sie neue Erkrankungen oder verschlimmern vorhandene Gesundheitsprobleme. Schäden an den Blutgefäßen, daraus folgend Arteriosklerose und Herzerkrankungen, sind nachgewiesene Konsequenzen. Bleibt eine Parodontitis unbehandelt, leidet außerdem die Therapie von chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Rheuma; Schwangeren droht eine Frühgeburt. Selbst an der Entstehung von Tumoren scheinen die Erreger aus dem Mund beteiligt zu sein.

Mund zu!

Keime, Allergene und Schmutz werden wirksam in der Nase gefiltert. Ein offener Mund dagegen lädt sämtliche Substanzen in den Körper ein. Wer ständig mit „Kommt mal alle rein“-Haltung durch die Welt läuft, fängt sich häufiger Infekte ein. Als dauerhafte Atemtechnik ist der geöffnete Mund also ein echtes Gesundheitsrisiko.

Parodontitis? PSI zeigt‘s

Parodontales Screening (PSI) heißt die Methode, mit der ein Zahnarzt nach verdächtigen Zahnfleischtaschen sucht. Eine Mini-Sonde misst, wie tief der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch ist. Bis zu 3,5 Millimeter sind normal. Wenn es hier blutet, besteht meist eine eher harmlose Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Ist der Zwischenraum tiefer, haben vermutlich schon Zahnhaltefasern gelitten, das Zahnbett ist entzündet. Dann sollte schnellstmöglich die Parodontitis-Behandlung beginnen: gründliche Gebissreinigung, ausgeweitete Hygienemaßnahmen, manchmal ein Antibiotikum.

Gar nicht so weit kommen lassen

Parodontitis lässt sich verhindern. Durch Putzen, Bürsten, Spülen und Schaben: Zähne Zahnfleisch, Zahnzwischenräume und Zunge wollen täglich gesäubert werden. Regelmäßige Zahnarztbesuche, professionelle Zahnreinigung und Nichtrauchen sowie eine zahngesunde Ernährung – also naturbelassene, kauintensive Lebensmittel ohne Zucker – halten das Gebiss gesund.

Richtig putzen

Für eine gelungene Zahnpflege braucht man zwei Dinge: Zeit und das Wissen, wie’s richtig geht. Zahnarzt Dr. Dietmar Oesterreich erklärt die Rüttel-Technik: Bürste im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischrand aufsetzen und leicht rütteln. Dann die gelockerten Beläge mit sanftem Druck vom Zahnfleisch in Richtung Zähne streichen. KAI zeigt die Reihenfolge: erst die Kauflächen, dann die Zahnreihen außen, zum Schluss die Zahnreihen innen. Das Ganze 2x täglich, mindestens zwei Minuten. Am besten nach den Mahlzeiten, vor allem am Abend.

Infos, Tipps und Videos unter www.prodente.de

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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