Aus den Sesseln, fertig – los! - Vom: 05.05.2016

Lifestyle/Fit im Alter

Aus den Sesseln, fertig – los!

Sport ist gesund, das wissen wir. Und macht auch noch Sinn in sehr hohem Alter oder bei gesundheitlichen Einschränkungen – das wissen nicht alle. In vielen Städten gibt es spezielle Angebote für die Generation 70plus. Lesen Sie, was das bringt.

„No sports“, soll Winston Churchill geantwortet haben, als Reporter den ehemaligen britischen Premierminister fragten, wie er 90 Jahre alt geworden sei. Eingefleischte Bewegungsmuffel lieben dieses Zitat des berühmten politischen Schwergewichts. Seine massige Figur möchte man aber lieber nicht haben. Und ob der Spruch wirklich von ihm stammt? Denn Churchill war in jüngeren Jahren deutlich schlanker, betrieb viele Sportarten und war ein passionierter Reiter. Doch bei den Krisenverhandlungen im zweiten Weltkrieg kämpfte der britische Premier bereits mit ernsten Herzproblemen und erlitt zwölf Jahre vor seinem Tod noch einen schweren Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen, verriet sein Leibarzt später.

Hochaltrigkeit: keine guten Nachrichten?

Die Statistik klingt tatsächlich nicht so gut: Es kommt im hohen Alter zu einer Häufung von chronischen Belastungen und funktionellen Einbußen zum Beispiel beim Sehen, Hören, bei der Kraft oder durch Krankheiten. Auch mit dem Gedächtnis gibt es zunehmend Probleme, und nicht wenigen Menschen macht im höheren Alter der Verlust an positiven Erlebnissen und sozialen Kontakten zu schaffen. Kurz, die Nebenwirkungen des Alters können aufs Gemüt schlagen.

Die gute Nachricht

Ältere Menschen erkranken oft nicht deshalb, weil sie älter geworden sind, sondern weil sie sich nicht mehr genug bewegen. Sport und mehr Bewegung könnten daher einer Vielzahl von Erkrankungen wie Bluthochdruck, Rückenbeschwerden, Arthrosen oder Diabetes mellitus vorbeugen. Gezielte sportliche Aktivitäten helfen aber auch, wenn es schon zwickt und zwackt oder man bereits erkrankt ist, betont der Deutsche Olympische Sportbund. Nicht umsonst sind Bewegungsprogramme ein wichtiger Bestandteil der Reha. Deshalb sind Bluthochdruck, Herzbeschwerden, hohe Zuckerwerte und Übergewicht kein Grund, auf Sport zu verzichten. Im Gegenteil helfen gut angeleitete Fitnessprogramme, wieder auf die Beine zu kommen und sich besser zu fühlen.

Der Lohn der Mühe

Regelmäßige körperliche Aktivität trägt auch dazu bei, Selbstständigkeit und Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten. Völlig unterschätzt wird meist, dass Bewegung neben dem Körper auch die grauen Zellen in Schwung hält. Selbst im hohen Alter reagiert das Gehirn noch positiv auf Bewegung: Es kommt zur Neubildung von Blutgefäßen und dem Wachstum von Nervenverbindungen und neuen Nervenzellen. Neben der körperlichen verbessert sich durch die Bewegungsreize auch die geistige Leistungsfähigkeit, und das Demenzrisiko sinkt. Ein netter Begleiteffekt ist die Geselligkeit beim Sport: Man kommt wieder mehr unter Leute. Das wirkt sich positiv auf die Stimmung aus: Körperlich Aktive bewerten ihr Leben besser, auch im hohen Alter.

Gut ist, was Freude macht

Welche Sportarten sind empfehlenswert? Im Prinzip alles, was Spaß macht. Die Gruppe jenseits der 60er Jahrgänge ist äußerst heterogen: Die einen sind auch über 80 noch sehr bewegungsfreudig, die anderen schon früher gesundheitlich eingeschränkt. Die Vereine des Deutschen Turner-Bundes bieten ebenso wie viele andere örtliche Einrichtungen Gymnastik und Tanz, Wandern, Schwimmen und Wassergymnastik für Senioren an. Eine gute „Einstiegsdroge“ ist immer Walking oder Nordic Walking – zügiges Gehen ohne oder mit Stöcken. Gruppen finden sich allerorts, und man kommt raus an die frische Luft. Wer Angst hat, nicht mitzukommen, spaziert einfach erst mal alleine oder mit Freunden.

Der Vorzug von Walking bzw. strammen Spaziergängen: Es klappt vorzüglich bis ins höchste Alter auch für Anfänger, Übergewichtige oder bei Problemen mit den Gelenken oder dem Herzen. Hocheffektiv gerade auch für Ältere ist zudem Kraftsport. Er wirkt Osteoporose und dem natürlichen Muskelschwund entgegen, beschert selbst Hochaltrigen einen Kraftzuwachs und stärkt auch Koordination und Gleichgewichtssinn. Das beugt dem Sturzrisiko im höheren Alter und damit manchem Oberschenkelhalsbruch vor. Fitnessstudios bieten zunehmend auch Programme für Ältere an. Wichtig: ein Vorab-Gesundheitscheck beim Hausarzt, kein übertriebener Ehrgeiz beim Sporteln – und eine gute Qualifikation des Personals im Fitnessstudio.

Sport bei chronischer Krankheit

Menschen mit Diabetes wissen, dass körperliche Aktivität hilft, die Blutzuckerwerte zu senken. Sehr zu empfehlen ist die Teilnahme an einer Diabetessportgruppe mit geschulten Übungsleitern. Ins Schwitzen kommen ist auch ein sehr gutes Mittel gegen Schwermut. Eine Vielzahl von Studien zeigen den enorm positiven Einfluss von sportlichen Aktivitäten auf den Verlauf depressiver Störungen – wenn die Betroffenen es erst einmal schaffen, damit anzufangen. Dass leichter Ausdauersport bei Bluthochdruck und Herz-Kreislaufproblemen sehr hilfreich ist, ist bekannt. Dass gezielte Übungen aber auch gern verschwiegene Probleme wie Blasenschwäche und Impotenz lindern können, wissen viele nicht. Und zahlreiche Studien zeigen, dass selbst bei einer Krebserkrankung körperliche Aktivität in vielen Fällen die Genesung nach einer Operation unterstützen kann. Auch wer bereits unter Osteoporose oder Einschränkungen der Mobilität leidet, kann selbst mit Rolli vielerorts bei Bewegungsgruppen wie „Fit für 100“ mitmachen. Fragen Sie Ihre Krankenkasse, die den Gesundheitssport meist auch finanziell fördert.

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