Der beste Schutz vor Zeckenstichen - Vom: 07.04.2016

Der beste Schutz vor Zeckenstichen

Sobald die Temperaturen steigen, liegen die kleinen Biester wieder auf der Lauer – im vergangenen milden Winter wurden Wanderer sogar im Dezember gestochen. Ein Zeckenstich tut nicht weh, kann aber Borreliose oder FSME zur Folge haben.

Der Gemeine Holzbock – so heißt die häufigste Zeckenart in Europa – ist äußerst geduldig: Sobald es warm genug ist, krabbelt das Spinnentier vom Boden auf Grashalme, in Büsche oder Unterholz und wartet. Wartet stundenlang, bis ein geeigneter Wirt für eine Blutmahlzeit vorbeikommt und die lauernde Zecke unfreiwillig abstreift. Das kann ein Fuchs sein, oft auch Hunde oder Katzen, Rotwild oder eben ein Mensch. Dass Zecken sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, ist ein Irrglaube. Sie lauern eher in Knie- oder Hüfthöhe, maximal aber in einem bis eineinhalb Metern Höhe auf ihr nächstes Opfer, gern an eher feuchtwarmen Plätzchen: vor allem im Wald und am Waldrand im Unterholz, auch in Wiesen, Parks und Gärten.

Am besten vorbeugen

Beim Spazieren durch den Wald, hohes Gras und Gebüsch sollte man lieber geschlossene Schuhe tragen. Auch Kleidung wie langärmelige T-Shirts und lange Hosen schützen etwas vor Zecken. Zeckensprays und andere Schutzmittel aus der Apotheke (Repellents) halten die Tiere ebenfalls auf Distanz. Bevor die Zecke zusticht, wandert sie oft erst einige Stunden auf ihrem Opfer herum, bis sie ein warmes Plätzchen mit zarter Haut für den Stich gefunden hat: gern in Körperfalten, am Haaransatz oder hinter den Ohren. Dann ritzt sie die Haut auf und versenkt ihren Stechapparat, um Blut zu saugen. Erst wenn sie sich auf ein Mehrfaches ihrer Größe vollgesogen hat, fällt sie wieder ab. Das dauert Tage. Ein guter Schutz ist deshalb auch, den Körper gleich nach einem Aufenthalt im Grünen gründlich nach Zecken abzusuchen.

Zecken richtig entfernen

Den Stich der winzigen Blutsauger spürt man oft nicht. Allerhöchstens juckt es etwas. Hat man ein Tierchen auf der Haut entdeckt, sollte es gleich vorsichtig entfernt werden: Am besten geht das mit einer Zeckenzange oder -karte aus der Apotheke. Zur Not tut es aber auch eine unten leicht gebogene Pinzette. Wichtig ist, die Zecke nicht zu quetschen, sondern sie möglichst hautnah zu greifen und senkrecht herauszuziehen, eventuell mit einer kleinen Drehbewegung. Wird der Hinterleib gequetscht, könnte mit Krankheitserregern infizierter Speichel oder Darminhalt schneller übertragen werden. Keinesfalls sollte man das Tier mit Öl, Nagellackentferner oder ähnlichen Hausmittelchen abzutöten versuchen. Nach dem Entfernen der Zecke die Hautstelle mit Alkohol desinfizieren und mehrere Wochen im Auge behalten.

Risiko Borreliose

Nicht jede Zecke überträgt Krankheiten. Eine kleine, juckende Rötung ist meist harmlos und verschwindet nach wenigen Tagen. Bildet sich aber nach einigen Tagen oder Wochen eine ringförmige Rötung, die sich ausbreitet, sollten Sie diese dem Arzt zeigen. Diese Wanderröte kann auf eine Borreliose hindeuten. Aber auch wenn diese Wanderröte nicht auftritt, sind grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen bis zu sechs Wochen nach dem Stich ein Fall für den Arzt.

Eine Borreliose lässt sich durch eine körperliche Untersuchung und eventuell Bluttests feststellen. Die Bakterieninfektion heilt nach einer Antibiotikabehandlung meist folgenlos aus. Zwar kann eine Borreliose auch ohne Antibiotikabehandlung abklingen. Dann ist aber das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs höher. Nur selten kommt es zu einer Neuroborreliose, bei der die Borrelien das Gehirn befallen, oder zu einer Lyme-Arthritis Monate oder Jahre später mit schmerzhaften Gelenkentzündungen.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Das Risiko, durch einen Zeckenstich an FSME zu erkranken, ist wesentlich kleiner als das Borreliose-Risiko. Nur wenige Zecken tragen diesen Virus, und selbst dann geben sie bei einem Stich die Viren nicht immer an den Menschen weiter. Bei Kindern bleibt die Infektion oft unbemerkt, oder die Beschwerden sind leicht und gehen bald vorüber. Sie ähneln einer Grippe: Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindelgefühle. Schwere Symptome sind bei Kindern selten. Meist heilt die Vireninfektion folgenlos aus.

Bei Erwachsenen ist ein schwerer Verlauf häufiger: Dann kommt es nach dem ersten Abklingen der grippeähnlichen Beschwerden erneut zu Fieber, Erbrechen und Kopfschmerzen. Eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhaut führt zu Bewusstseinsstörungen, Koordinationsstörungen und Lähmungen. Meistens sind sie vorübergehend. Eine zusätzliche Entzündung des Rückenmarks macht sich durch Gefühlsstörungen, Muskelschwäche und auch dauerhafte Lähmungen bemerkbar. Das Problem: Gegen den FSME-Virus gibt es noch keine Therapie, es können nur die Symptome behandelt werden.

Schutzimpfung empfohlen

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt eine FSME-Schutzimpfung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr und für Erwachsene, wenn sie in einem FSME-Risikogebiet leben oder dort die Sommermonate verbringen. Zu den Risikogebieten zählen vor allem Baden-Württemberg und Bayern sowie Teile von Südhessen und Südostthüringen und im übrigen Europa die östlichen Regionen und auch noch Österreich. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse bei Bewohnern von Risikogebieten und häufig auch als Reiseimpfung. Für einen vollständigen Impfschutz sind drei Teilimpfungen notwendig. Die ersten beiden werden regulär in ein bis drei Monaten verabreicht, die dritte nach neun bis zwölf Monaten. Eine Schnellimpfung bietet noch für die gleiche Saison Schutz.

Eine Karte mit FSME-Risikogebieten finden Sie im Internet unter: www.zecken.de/gefahr-durch-zecken/fsme-in-deutschland.

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