Was kranke Haut wirklich braucht

Dermatologe
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Rote, entzündete Hautstellen und heftiger Juckreiz: Neurodermitis ist quälend. Heilbar ist das Hautleiden bislang nicht, jedoch gut behandelbar. Lesen Sie hier, was hilft. 

Cremen, cremen, cremen – das raten Hautärztinnen und Hautärzte Patienten, die von Neurodermitis geplagt werden. Auch wenn die Haut gerade nicht akut entzündet ist, sollte die Basistherapie, also die tägliche konsequente Hautpflege, nicht vernachlässigt werden. Der Grund: Die von Natur aus empfindliche, meist trockene Haut von Neurodermitis-Patienten muss stets gut mit Fett und Feuchtigkeit versorgt werden. 

Empfindliche Hülle 

Menschen mit Neurodermitis haben ganz besondere Pflegeansprüche, weil ihre Haut krankheitsbedingt anders ist: Der äußersten Hautschicht (Hornschicht), die den Körper normalerweise wie eine schützende Mauer umgibt, mangelt es an Fetten und Feuchthaltefaktoren. Das macht Neurodermitikerhaut trocken und anfällig für Irritationen. Bereits kleinste Reizungen, etwa ein kratziger Pullover oder längerer Kontakt mit Wasser und Seife, können einen akuten Krankheitsschub auslösen. Dann sieht die Haut regelrecht Rot: entzündete Hautstellen, nässende Bläschen und starker Juckreiz sind die quälenden Folgen. Oft zeigen sich die Ekzeme im Bereich von Handgelenken, Ellenbeugen, Kniekehlen sowie in der Halsregion, nicht selten auch im Gesicht.       

Gene spielen eine Rolle 

Den genauen Ursachen der chronisch entzündlichen, schubweise verlaufenden Hauterkrankung sind Forscher schon seit Langem auf der Spur. Bekannt ist, dass uns die Neigung zu Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, in die Wiege gelegt wird. Betroffene haben eine genetische Veranlagung zu Überempfindlichkeitsreaktionen des Immunsystems. 

Oft beginnt das chronische Hautleiden schon im Babyalter, etwa 14 Prozent der Kinder haben mit Neurodermitis zu tun. Bei vielen verschwindet sie im Laufe der Jahre wieder von selbst; manche Menschen begleiten die juckenden Ekzeme allerdings auch lebenslang. Möglich ist es zudem, dass Neurodermitis erst im Erwachsenenalter auftritt oder – nach jahrelanger Ruhepause – plötzlich wieder da ist. Mindestens zwei Prozent der Erwachsenen macht die Hautkrankheit zu schaffen. 

Medizin nach Maß 

Heilbar ist Neurodermitis bis heute nicht, aber gut therapier- und kontrollierbar. Bei akuten Krankheitsschüben können Hautärzte juckreizlindernde und entzündungshemmende Salben verordnen, die auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. Häufig fällt die Wahl auf Glukokortikoide, sprich Kortisonsalben, die stark entzündungshemmend wirken. Ebenfalls für die örtliche Behandlung infrage kommen sogenannte Calcineurininhibitoren. Das sind Arzneistoffe, die die Aktivität bestimmter Immunzellen hemmen und so die Entzündung und den Juckreiz lindern.  

Bei schweren Neurodermitis-Ausprägungen kann der Arzt Medikamente verschreiben, die eingenommen oder unter die Haut gespritzt werden. In den letzten Jahren kommen verstärkt moderne, biotechnologisch hergestellte Arzneimittel zum Einsatz, sogenannte Biologika. In der Neurodermitis-Therapie spielt der Wirkstoff Dupilumab eine wichtige Rolle. Dieser monoklonale Antikörper unterdrückt bestimmte Teile des Immunsystems und hemmt die Entzündungsreaktion nachhaltig.  

Die Trigger meiden 

Oftmals ist eine medikamentöse Behandlung unerlässlich, um die Neurodermitis unter Kontrolle zu bekommen. Doch Betroffene können auch selbst viel tun, um akute Schübe möglichst zu verhindern. Ratsam ist es beispielsweise, individuelle Provokationsfaktoren, die die Haut erfahrungsgemäß in Alarmbereitschaft versetzen, zu vermeiden. Viele Neurodermitis-Patienten reagieren auf mechanische Hautreizungen sensibel, anderen geht Stress im wahren Wortsinn unter die Haut. Ausreichende Ruhepausen im Alltag und Entspannungsübungen kommen auch der Haut zugute. 

Basispflege mit System 

Generell wichtig ist, wie schon erwähnt, eine gute Basispflege: Hochwertige, für Neurodermitikerhaut geeignete medizinische Reinigungs- und Pflegeprodukte gibt es in der Apotheke. Dazu gehören milde, seifenfreie Waschlotionen, spezielle Duschöle sowie fett- und feuchtigkeitsspendende, hautberuhigende Cremes und Lotionen, etwa mit Harnstoff, Glycerin und Nachtkerzenöl, aber ohne Parfümstoffe und andere Substanzen, die die kranke Haut womöglich nicht verträgt. Am besten lassen Sie sich in Sachen Basispflege kompetent in Ihrer Apotheke beraten.

5 Tipps gegen Juckreiz 

1. Leichte Stoffe: Bevorzugen Sie leichte, luftdurchlässige Kleidung aus Naturmaterialien wie Baumwolle, Leinen und Seide. 

2. Kalte Abreibung: Kühlen Sie juckende Haut mit einem feuchten Waschlappen, Eiswürfeln oder einem Kühlpack. Wichtig: Eiskaltes nicht direkt auf die Haut legen, sondern zum Beispiel erst in ein dünnes Handtuch einschlagen.  

3. Kratz-Alternativen: Vermeiden Sie es, sich zu kratzen. Besser: Die Haut durch Pusten, Streicheln oder leichtes Klopfen beruhigen. 

4. Ablenkung suchen: Lenken Sie die Konzentration auf andere Dinge, um Juckreizsignale zu unterbrechen. Treiben Sie Sport, machen einen kurzen Spaziergang oder tun Sie sonst etwas, was Ihnen Freude macht. 

5. Besser schlafen: Ein kühles Schlafzimmer beugt nächtlichem Juckreiz vor. Wählen Sie Nacht- und Bettwäsche aus glatten, kühlenden Stoffen.

Quelle: www.ratgebergesund.de

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