Heilpflanzen für Frauen

Gynaekologe
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In wichtigen Zeiten brauchen wir starke Begleiter: Heilpflanzen. In den Wechseljahren sind sie zuverlässige Helfer.

Die Wechseljahre haben keinen guten Ruf. Dabei sind sie ein natürlicher und sogar ein wichtiger Vorgang im Leben einer Frau. Sie schützen den Körper, der mit Anfang 50 für Strapazen wie Schwangerschaft und Geburt allmählich zu alt geworden ist. Die hormonellen Umbauprozesse, die in dieser Zeit nötig sind, können zwar auch eine Belastung sein, aber es gibt Hilfen. Die Natur kennt zahlreiche Heilpflanzen, die die Wechseljahre angenehmer machen können. An erster Stelle steht die Traubensilberkerze.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa)

Die Traubensilberkerze ist eine der bedeutendsten Heilpflanzen für Frauen in den Wechseljahren und inzwischen gut erforscht. Man sagt: Die Traubensilberkerze gehört zu den sogenannten Phyto-Östrogenen, weil sie ähnlich wirkt wie das körpereigene, weibliche Hormon Östrogen. Dieses steuert zusammen mit Progesteron den weiblichen Zyklus. Gleichzeitig sorgt es für eine schöne Haut und starke Knochen. Wenn natürlicherweise die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Wechseljahren nach und nach zurückgeht, können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Die Traubensilberkerze wirkt gegen viele davon.

Mit ihren östrogenähnlichen Eigenschaften hat die Traubensilberkerze eine schmerzlösende Wirkung. Sie kann sowohl die Gebärmuttermuskulatur entspannen als auch rheumatische Beschwerden lindern. Sogar dem Knochenabbau soll sie entgegensteuern. Die Traubensilberkerze bietet also einen gewissen Schutz vor Osteoporose. Zudem hat die Heilpflanze einen Einfluss auf den Puls und die Körpertemperatur. Frauen, die in den Wechseljahren unter Herzrasen, Hitzewallungen und Schwitzattacken leiden, haben mit der Traubensilberkerze eine starke Helferin aus der Natur.

Die Traubensilberkerze ist eine imposante Pflanze, die bis zu zwei Meter hoch wachsen kann. Besonders eindrucksvoll sind ihre langen, überhängenden Blütentrauben, die aus unzähligen silbrig-weißen Einzelblüten bestehen. Ursprünglich stammt Cimicifuga racemosa aus Nordamerika. Bei den Indianern ist sie schon seit vielen Hundert Jahren als „Frauenwurzel“ bekannt. Auch bei uns schätzt man sie für ihre Wirkungen bei Wechseljahresbeschwerden. Neben all ihren körperlich entspannenden Eigenschaften kann sie auch der Seele helfen. Ihre Substanzen sollen die Stimmung erhellen und den Schlaf verbessern. Sie sorgen für innere Ruhe und Gelassenheit. Das sind zwei Gemütszustände, die in dieser Phase des Wechsels Gold wert sein können, besonders dann, wenn äußere Umstände zusätzlich an der Seele nagen. 

Extrakte aus der Traubensilberkerze zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden gibt es in Form von Fertigpräparaten in Ihrer Apotheke. Meistens sind sie gut verträglich, dennoch nicht zur Daueranwendung geeignet. Fragen Sie Ihren Apotheker, worauf Sie bei der Einnahme der Kapseln achten sollten.

Was sind Phyto-Östrogene?

Phyto-Östrogene sind keine Hormone im eigentlichen Sinn und enthalten auch keine. Vielmehr handelt es sich um spezielle Pflanzenwirkstoffe, die auf das Hormonsystem einwirken, damit es besser funktioniert. Phyto-Östrogene wirken ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen – nur schwächer. Das hat den Vorteil, dass sie ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt sanft ausbalancieren können, und zwar in beide Richtungen: Bei einem Überschuss können Phyto-Östrogene die Produktion hemmen. Bei einem Östrogenmangel, der häufig bei Frauen über 50 vorkommt, sollen sie für Unterstützung sorgen.

Phyto-Östrogene wirken auf natür-liche Weise bei typischen Beschwerden in den Wechseljahren, wie Hitzewallungen und Schlafstörungen, trockene Haut und Schleimhäute, Stimmungsschwankungen und vermindertes Lustempfinden. Viele Heilpflanzen enthalten diese Phyto-Östrogene. Die bekanntesten sind Traubensilberkerze, Rotklee und Salbei, aber auch Herzgespann, Minze und Lavendel. Es gibt auch Nahrungsmittel, in denen Phyto-Östrogene stecken. Allen voran stehen Hülsenfrüchte wie Soja und Samen wie Leinsamen oder Sesamkerne.

Auf der Schwelle

Die Wechseljahre – Krise oder Chance? Das hängt oft von der persönlichen Einstellung ab. Und vom Wissen, wie mit den Veränderungen umzugehen ist. Wir geben Tipps, wie dieser Wandel zur besten Zeit Ihres Lebens werden kann.  

Neue Kraft

Ein anderer Begriff für die Wechseljahre lautet so: Klimakterium. Das ist griechisch und bedeutet Leiter, Treppe oder Höhepunkt. Man sagt auch, das ist die Schwelle vom Bedeutungslosen zum wirklich Wichtigen im Leben. Frauen zwischen 40 und 50 steht also Großes bevor, nämlich Reife und Anerkennung für alles, was sie bisher in ihrem Leben geleistet haben. Eine neue Kraft kann entstehen, wenn frau sich auf diesen Wechsel einlässt und weiß, was zu tun ist.

Veränderungen

Zugegeben: Ein Wandel ist nicht immer einfach. Es sind Hürden zu nehmen, um in die neue Rolle hineinzuwachsen. Veränderungen bringen auch Abschiede mit sich, und die können schmerzhaft sein. So auch in den Wechseljahren. 

Zehn Jahre

Viele Frauen spüren es schon ab 40: Die Periode kommt nicht mehr wie auf Bestellung. Blutungen fallen mal stärker, mal schwächer aus. Der Murmeltierschlaf von früher ist störanfällig geworden und die Stimmung war auch schon mal besser. Das sind die Anzeichen, dass sich im Hormonhaushalt
etwas verschiebt – und zwar dauerhaft. Im Durchschnitt dauert es rund zehn Jahre, dann ist der Wechsel vollzogen. Ist die letzte Regelblutung schon ein Jahr Geschichte, spricht man von der Menopause. Klimakterische Beschwerden lassen dann allmählich nach. Bis es so weit ist, macht frau einiges mit.

Was hilft?

Nicht jede Frau hat unangenehme Begleiterscheinungen in den Wechseljahren. Und nicht alle leiden unter den gleichen Symptomen. Schätzungsweise jede Dritte kennt jedoch die hormonbedingten Schwitzattacken. Plötzlich steigt die Hitze in den Körper, das Gesicht läuft puterrot an und der Schweiß bricht aus. Salbei ist in diesem Fall das wichtigste Frauenkraut, um die sogenannte „fliegende Hitze“ in den Griff zu bekommen. Die ätherischen Öle hemmen die Schweißbildung. Arzneitee aus Salbeiblättern aus der Apotheke am besten lauwarm und mehrmals täglich trinken. Alternativ ist auch ein Ganzkörperbad mit Salbei eine gute Idee. Inzwischen gibt es auch Deo-
dorants mit Salbeiextrakten.  

Schlafstörungen und Reizbarkeit sind häufige Probleme, wenn sich der Hormonhaushalt umstellt. Dagegen sind gleich mehrere Kräuter gewachsen. Echtes Johanniskraut ist die erste Heilpflanze der Wahl, wenn es um Stimmungsaufhellung geht. Es gilt als pflanzliches Antidepressivum und wirkt wie eine „Lichttherapie von innen“. Gleichzeitig helfen Johanniskraut-Extrakte bei innerer Unruhe und können das Einschlafen erleichtern. Wichtig zu wissen: Nur die Johanniskraut-Präparate aus der Apotheke sind ausreichend dosiert, sodass sie als Stärkungsmittel gelten können. Ähnliche Wirkmechanismen wie das Echte Johanniskraut haben Arzneipflanzen wie Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume. Diese eignen sich ebenfalls zur Beruhigung und als schlaffördernde Mittel. Es gibt sie in Form von Tees, Tinkturen und Fertigpräparaten in der Apotheke.

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie es in der Lebensmitte plötzlich mit knackenden Gelenken zu tun bekommen. Auch auf die Knochen hat der sinkende Östrogenspiegel einen Einfluss. Bewegung kann dem Verlust von Gelenkschmiere entgegenwirken. Mithilfe von Heilpflanzen lässt sich zusätzlich etwas für eine gute Durchblutung tun. Ingweröl zum Baden oder Massieren wirkt erwärmend und schmerzlindernd. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Weniger Fleisch essen, denn zu viel davon kann zum Calciumabbau beitragen. So können die Knochen brüchig werden und schlimmstenfalls droht Osteoporose. Pflanzliche Lebensmittel, die reichlich Kieselsäure enthalten, sind hingegen Knochenstärker. Dazu zählen Vollkornprodukte, Kartoffeln und Mais. Heilpflanzen wie Ackerschachtelhalm, Brennnessel und Löwenzahn sind ebenfalls reich an Kieselsäure. Fragen Sie danach in Ihrer Apotheke.

Bewegung, guter Schlaf und eine gesunde Ernährung – davon profitiert auch die Haut. Denn an ihr gehen die Wechseljahre leider auch nicht spurlos vorüber. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, geht die Kollagenproduktion in den Hautschichten zurück. Die Haut wird dünner, verliert an Elastizität und neigt zur Faltenbildung. Die Natur hat etwas dagegen. Die Nachtkerze enthält ungesättigte Fettsäuren, die tief in die Haut dringen und für ein glattes Hautbild sorgen können. Pflegeprodukte mit Nachtkerzenöl bekommen Sie in Ihrer Apotheke. Auch gut für reife, schöne Haut: Arganöl, Sheabutter und Granatapfelkernöl. Insbesondere der Granatapfel enthält Phyto-Östrogene und wirkt regulierend auf die intimen Schleimhäute. Eine Kur mit Granatapfelkernöl-Präparaten pflegt die trockene Vaginalschleimhaut und kann das Gewebe wieder weich machen. So lassen sich die Wechseljahre wieder lustvoll und schön erleben. 

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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