Ablenken und abwarten

Internist
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Hicks, hicks, hicks … Schluckauf ist ein echter Quälgeist. Zum Glück peinigt er uns meist nur kurzzeitig. So werden Sie ihn wieder los.

An sieben Männer mit Glatze denken! So heißt eines der bekanntesten »Hausmittel« gegen Schluckauf. Und es wirkt – bei vielen Menschen zumindest. Dahinter steckt ein einfacher Trick: Wer seine Konzentration auf etwas anderes als das lästige Hicksen lenkt, gibt seinem Zwerchfell die Chance, sich wieder zu beruhigen.

Ausschalten unmöglich 

Das Zwerchfell, ein flacher Muskel zwischen Brust- und Bauchraum, ist Ursprungsort des Schluckaufs. Wird der Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) gereizt, verkrampft es sich. Der Mensch atmet kräftig und unwillkürlich ein. Die Stimmritze zwischen den Stimmbändern verschließt sich. Die Luft in der Lunge kann nicht vollständig entweichen. Die von außen einströmende Atemluft stößt gegen die verschlossenen Stimmbänder. Und schon ist es da: das typische, oft recht laute Hicksen, das im Fachjargon Singultus heißt. Willentlich abstellen lässt es sich nicht. Im Gegenteil: Wer die Aufmerksamkeit darauf lenkt, verlängert die Pein womöglich noch. 

Glatzen zählen 

Ablenkung scheint die bessere Strategie zu sein. Wer keine Lust hat, an haarlose Herrenköpfe zu denken, kann es zum Beispiel mit diesen Tricks versuchen: zügig ein Glas Wasser trinken, die Luft anhalten und bis 20 zählen, in eine Zitrone beißen … Hartgesottene lassen sich erschrecken und Fleißige lösen Rechenaufgaben, um das Zwerchfell zu besänftigen. So nervig ein akuter Schluckauf auch sein mag: In aller Regel ist er harmlos und nach wenigen Minuten wieder vorüber. Es besteht also kein Grund zur Sorge. Hält das Glucksen allerdings über Stunden oder gar Tage an, sollten Betroffene zum Arzt gehen. Nach 48 Stunden Dauerhicks sprechen Mediziner von chronischem Schluckauf.

Krankhafter Dauerhicks

Er kann Begleitsymptom einer Krankheit sein, zum Beispiel auf ein Problem im Magen-Darm-Bereich oder eine Stoffwechselstörung hinweisen. Auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder psychische Beschwerden sind denkbar. Nach den Ursachen richtet sich die Therapie. Eventuell wird der Arzt Medikamente zur Muskelentspannung verordnen oder Präparate, die die Bildung von Magensäure hemmen.  Wichtig zu wissen ist, dass auch manche Arzneimittel vermehrten Schluckauf auslösen können. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel, Medikamente gegen Epilepsie sowie Kortison-Präparate. Ein Blick in den Beipackzettel und ein Gespräch mit dem Apotheker liefern entsprechende Hinweise. Wer befürchtet, seine Medizin könne für häufiges Hicksen verantwortlich sein, sollte sie aber nicht einfach absetzen, sondern mit dem Arzt sprechen.

Gründe fürs Glucksen

Was den Zwerchfellnerv reizen und akuten Schluckauf auslösen kann:

• Essgewohnheiten: sehr heiße oder kalte Speisen, kohlensäurehaltige Getränke, üppige Mahlzeiten.

• ungesunde Laster: viel Alkohol und Rauchen.

• Nerven und Psyche: Stress, Aufregung und innere Unruhe.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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