Sanfte Medizin für kleine Patienten

Kinderarzt
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Die Nase läuft, der Bauch tut weh – mit der Heilkraft aus der Natur und einer Extraportion Zuwendung sind die Kleinen schnell wieder fit.

Die Sonne brennt, die Luft steht – jetzt treten uns bei der kleinsten Bewegung die Schweißperlen auf die Stirn. Damit das Shirt trocken bleibt und keine unangenehmen Gerüche entstehen, gehört ein Deo zur täglichen Körperpflege dazu.

Wenn Kinder kränkeln, brauchen sie viel Aufmerksamkeit, Trost und natürlich die richtige medizinische Versorgung. Liebevolle Zuwendung ist wichtig, weil die Kleinen noch keine Erfahrung mit Krankheiten und Schmerz haben und nicht einschätzen können, wie schlimm das „Aua“ ist und wie lange es dauern wird. Geht es um Arzneien, fragen sich viele Eltern: Welche Mittel helfen, und gibt es auch sanfte Alternativen?

Beratung  in der Apotheke

Weil kleine Kinder noch keine Tabletten schlucken können, bekommen sie ihre Medizin meist in Form von Saft oder Zäpfchen verabreicht. Doch grundsätzlich ist Vorsicht geboten: Ungeeignete Wirkstoffe und zu hohe Dosierungen können einen Organismus, der sich noch im Wachstum befindet, überfordern und ihm schaden. Daher ist es wichtig, sich vom Kinderarzt und in der Apotheke vor Ort beraten zu lassen. Hier erfahren Sie, welche Mittel geeignet sind und welche Dosierung Ihr Kind braucht. So gibt es Formeln, nach denen die Arzneidosis entsprechend Alter und Gewicht ermittelt wird. Oft kann der Apotheker aber auch eine sanfte Alternative empfehlen. Bei vielen typischen Kinderkrankheiten lindern Heilpflanzen und Hausmittel die Beschwerden.

Fenchel für den Bauch

Bei Bauchweh bewährt sich Wärme, weil sie entkrampft. In der Apotheke gibt es kleine Wärmflaschen mit lustigen Motiven. Arznei-Fencheltee beruhigt den Magen und ist sogar für Säuglinge geeignet. Eine Bauchmassage mit Kümmelöl hilft gegen die Dreimonats-Koliken ebenso gut wie gegen Bauchweh bei größeren Kindern. Einfach ein paar Tropfen Öl zwischen den Händen erwärmen und im Uhrzeigersinn sanft auf den Bauch streichen.

Kamille für die Nase

Eine verstopfte Nase ist für die Kleinen eine wahre Plage und raubt ihnen (und den Eltern) oftmals den Schlaf. Ein Kopfdampfbad mit Kamille macht die Nase frei und wirkt entzündungshemmend. Eine Handvoll getrocknete Kamillenblüten aus der Apotheke in eine Schüssel geben und mit zwei Litern heißem Wasser übergießen. Den Kopf über die Schüssel beugen und den Dampf einatmen, am besten mit einem Handtuch über dem Kopf. Eltern sollten kleinere Kinder auf den Schoss nehmen, damit es keine Verbrennungen gibt. Bei Säuglingen ist es allemal besser, die Schale in der Nähe des Bettchens zu platzieren. Für größere Kinder eignen sich auch Nasenspülungen mit Salzwasser. Fertige Lösungen und Nasenspülkännchen für Kinder gibt es in der Apotheke. Erkältungssalben speziell für kleine Patienten erleichtern ebenfalls das Durchatmen. Gut geeignet sind Zusätze aus Engelwurz oder Majoran. Wählen Sie nicht irgendwelche ätherischen Öle aus. Manche sind für Kinder zu stark und können zu Verkrampfungen der Atemwege führen.

Wickel für den Hals

Kalte und warme Wickel sind gute Hausmittel bei Erkältungsbeschwerden. Bei Husten helfen Bienenwachswickel aus der Apotheke. Gegen Fieber können Wadenwickel Erleichterung bringen. Die Tücher aus Naturmaterialien bekommen Sie ebenfalls in Ihrer Apotheke. Eine Anleitung zur richtigen Handhabung auch. 

Wärme für die Ohren

Im Zuge einer Erkältung treten bei Kindern häufig Ohrenschmerzen auf. Gut, wenn dann kleine Kirschkernkissen zur Hand sind – Apotheken bieten auch Babygrößen an. Kissen leicht erwärmen (nur handwarm!) und auflegen, mit einem Stirnband oder einer Mütze fixieren. Homöopathische Mittel, die Kamille, Blauen Eisenhut und Schwarzen Holunder enthalten, können ebenfalls die Schmerzen lindern. Da Ohren und Nasenhöhlen miteinander verbunden sind, darauf achten, dass die Nase möglichst frei bleibt. Starke und andauernde Schmerzen deuten auf eine Mittelohrentzündung hin und sollten vom Kinderarzt abgeklärt werden.

Veilchen für die Zähne

Kommen die ersten Zähnchen, kauen Babys auf allem herum, was greifbar ist. Sie wissen instinktiv, dass sich so der Spannungsschmerz im Kiefer lindern lässt. Eine Veilchenwurzel kann dann eine gute Unterstützung sein und ist eine natürliche Alternative zum Beißring aus Plastik. Die ätherischen Öle und Schleimstoffe, die in der Veilchenwurzel enthalten sind, wirken schmerzstillend. Aus Sicherheitsgründen das Wurzelstück immer befestigen, zum Beispiel an einer Schnullerkette. Veilchenwurzeln sind in der Apotheke erhältlich, ebenso wie Zahnungsgele mit beruhigenden Malvenextrakten oder leicht betäubendem Salbei- oder Nelkenöl. Die Gele eignen sich auch, wenn die Milchzähne ausfallen und das Zahnfleisch gereizt reagiert.

Ringelblume für die Haut

Baby- und Kinderhaut ist empfindlich und schnell kommt es zu Irritationen. Ob ein wunder Windel-Popo oder Hautreizungen an anderen Körperstellen – Ringelblumensalben können kleine Wunder vollbringen. Die Pflanzenwirkstoffe beruhigen die Haut, hemmen Entzündungen und unterstützen die Heilung. Auch bei kleinen Verletzungen wie Schürf- oder Schnittwunden sind Ringelblumensalben ein bewährtes Heilmittel.

Kleine Tricks für gute Besserung

Kleine Patienten sind oft etwas weinerlich, wollen nicht essen oder weigern sich, die Medizin zu nehmen. Kleine Tricks machen es Kindern und Eltern leichter: Kochen Sie die Lieblingsgerichte und nehmen Sie sich Zeit! Kuscheln, Vorlesen, Singen, Spielen oder gemeinsam einen Film schauen sind willkommene Ablenkungen und Balsam für die Seele. Wenn möglich, raus an die frische Luft gehen! Eine Runde im Kinderwagen oder ein Spaziergang sorgen zudem für etwas Abwechslung.

Oft hilft auch ein Rollenspiel mit dem Lieblings-Kuscheltier. Denn wenn der Teddy auch einen Halswickel oder Schal trägt und „seine“ Medizin nimmt, ist das eigene Leid nur noch halb so schlimm. Das Verabreichen von Medikamenten geht so wesentlich einfacher.

Viele Eltern versuchen, die Medizin mit Fruchtsäften zu versüßen, mischen sie in den Brei oder ins Fläschchen. Das kann die Wirkung beeinträchtigen und sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker passieren. Einfacher ist es, wenn der Teddy „vormacht“, wie es geht, und ganz schnell wieder gesund wird.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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