Bonus für die Bandscheiben – Gesunder Rücken

Orthopaede
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Fast jeder hat ab und zu mal »Rücken«. Nur eine Verspannung oder ist es ein Bandscheibenvorfall? Welche Symptome sind eindeutig, welche Behandlungsmethoden gibt es und wie lässt sich vorbeugen? Ein Orthopäde gibt wertvolle Tipps im Interview.

Herr Dr. Kubosch, gibt es eine klassische Situation, in der es zum Bandscheibenvorfall kommen kann?  

Dr. David Kubosch: Ja, zum Beispiel beim Heben einer Last aus gebeugter Haltung. In diesem Moment ist die Bandscheibe großem Druck ausgesetzt. Zum Vorfall kann es kommen, wenn die äußere Hülle der Bandscheibe bereits brüchig ist und Verschleißerscheinungen zeigt. Der innere Gallertkern tritt heraus und wird direkt in den Wirbelkanal gepresst. Hier verläuft das Rückenmark als Teil des zentralen Nervensystems und meldet ans Gehirn heftige Schmerzen.

Schmerzen sind die eine Seite. Gibt es weitere Anzeichen, die auf einen echten Bandscheibenvorfall deuten?

Dr. David Kubosch: Wenn das ausgetretene Bandscheibengewebe auf einen Nerv drückt, kann sich dieses brennende oder stechende Gefühl auf Kopf und Nacken, auf Schultern und Arme ausdehnen. Oft kommen Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Beinen und Füßen hinzu. Ist der Druck besonders stark, sind auch Funktionsstörungen möglich, also Schwierigkeiten beim Gehen oder Stehen. Ein Arztbesuch wird dann unerlässlich. Bei etwa neun von zehn Patienten tritt der Bandscheibenvorfall im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule auf. In seltenen Fällen ist die Halswirbelsäule betroffen. Übrigens trifft jeden dritten Erwachsenen im Lauf seines Lebens ein Bandscheibenvorfall.

Welche Behandlungsmethoden bevorzugen Sie? 

Dr. David Kubosch: Da viele Bandscheibenvorfälle auch ohne eine Operation heilen, empfehle ich eine konservative Therapie. Diese besteht aus einer Kombination aus Schmerzmitteln, Physiotherapie sowie thermischen Anwendungen. Wärmepflaster, Fangopackungen, Saunagänge und Inf-rarotbestrahlungen können hilfreich sein. So kann der Bandscheibenvorfall auf natürliche Weise schrumpfen. Folglich lässt der Druck auf die Nervenwurzeln und das Rückenmark nach. Die Beschwerden können innerhalb von Wochen verschwinden. Eine Operation ist nur dann nötig, wenn akute Lähmungen oder Gefühlsstörungen auftreten oder die Schmerzen außergewöhnlich stark sind. Auch der Verlust der Blasen- und Darmkontrolle kann ein Alarmzeichen sein und eine schnelle operative Entfernung des hervorgetretenen Bandscheibengewebes erforderlich machen.

Wie lässt sich einem Bandscheibenvorfall vorbeugen oder ein Rückfall verhindern?

Dr. David Kubosch: Vorbildlich ist, auf die schlanke Linie zu achten. Denn Übergewicht erhöht das Risiko eines Bandscheibenvorfalls, ebenso wie ein hauptsächliches Leben im Sitzen. Daher ist regelmäßige Fitness so wichtig. Ob Gehen, Wandern oder Golfen – alles, was uns bewegt, stärkt unsere Bandscheiben. Schwimmen gilt als besonders gelenkschonender Sport. Es dient dem Aufbau der Rücken- und Bauchmuskulatur und hilft bei der Genesung nach einem Vorfall. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. Pflanzenbasierte Kost liefert viele Vitamine und Mineralstoffe. Seefisch, Lein-, Raps- und Walnussöl enthalten gute Omega-3-Fettsäuren, die Bandscheibenschäden verhindern können. Sogenannte Antioxidantien wie Vitamin A, C und E sowie die Spurenelemente Selen und Zink gelten als Bandscheiben schonende Entzündungshemmer. Viel trinken – Wasser oder Kräutertee – fördert die Pufferfunktion der Bandscheiben und gibt deren Widerstandskraft einen großen Bonus.      

Dr. David-Christopher Kubosch, Facharzt für Orthopädie, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie in der Gelenk-Klinik Gundelfingen.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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